Die Uneinzigartigkeit meines Gedankens

Meine Gedanken sind nicht innovativ, alle schon mal da gewesen und im Kern von 9368573 anderen Menschen auf 9368573 Arten formuliert worden. Mich zu ihnen zu gesellen und es auf die 9368574te Art zu formulieren, ist genau richtig für mich und nicht überflüssig. Zu dieser Schlussfolgerung haben mich – natürlich – andere Menschen gebracht. Meine Gedanken sind also ganz sicher nicht neu!
Meine Gedanken sind sogar uneinzigartig und diese Feststellung war eine wahre Wohltat für mein zweifelndes Ich.
Klar, keine:r hält mich ab, dies oder das zu äußern, aber eine innere Stimme hinterfragt mich stets, ob ich das nun wirklich – wirklich! – veröffentlichen soll. „Klar, warum nicht!“ ist ein guter Gedanke, überzeugt mich aber nicht immer. Hier drei Gedanken/Fazits, die meine innere Stimme zukünftig austricksen können, wenn es sich wieder mal zu Wort meldet und mich zu der Schlussfolgerung der Uneinzigartigkeit gebracht haben.
Hoffentlich hast du bisschen Zeit, vielleicht auch ein leckeres Getränk, denn es ist bissle Text.

Fazit I: Immerwährende Themen – sie bleiben, während du dich bewegst

Es gibt Themen, die waren schon immer da und werden immer da sein. Liebe, Freundschaft, Leben, Tod, Freude, Interessen, Zweifel, Glück und Glücklichsein, miteinander sein. Und die Liste ist noch lange nicht zu Ende. Haben diese Themen einen Oberbegriff? Philosophische Themen und Fragestellungen? Auf jeden Fall sind das Themen, die schon immer Raum zum Überlegen und Diskutieren angeboten haben – und weiterhin anbieten werden. Wenn ich so darüber nachdenke, dann sind die meisten Themen immer da. Nur die technologische Ausprägung verändert sich. Ich habe das Faxgerät im Kopf, das mittlerweile doch sehr überholt ist im Vergleich zu modernen Kommunikationsmitteln (Smartphone). Aber die Kommunikation an sich ist ein Thema, das immer Bestand hat.
Das Interessante ist, dass diese Art von Themen viele Menschen unabhängig vom Alter, Geschlecht oder Biografie irgendwann mal begegnen wird. Tatsächlich wird es sogar immer eine Gruppe an Menschen und nicht nur eine einzelne Person sein, die zur gleichen Zeit dem gleichen Thema begegnen. Teilweise gehört das zur Entwicklung dazu (wie etwa Sexualität, Freundschaft, Familie, Partnerschaft in der Pubertät/Heranwachsen zum:r Erwachsenen), teilweise ist es aber auch ganz und gar unabhängig vom biologischen Alter der Person (wie etwa Sexualität, Freundschaft, Familie, Partnerschaft während des restlichen Erwachsenenlebens – bloß nicht mehr so geballt wie in den Jahren der Pubertät).

Welche Themen haben dich mal beschäftigt und tun es jetzt nicht mehr? Welche tun es immer noch?
In meiner Wahrnehmung gab es Themen, bei denen ich irgendwann das Gefühl hatte, dass ich damit durch war. Alles schon mal gelesen, gehört, gesehen – es gab nichts neues mehr. Das Thema musste weg. Ich habe das Thema abgeschlossen und mit „Ciao Kakao!“ verabschiedet. In dieser Weltanschauung bin ich die Konstante und das Thema war das Dynamische.
Durch eine Folge des Podcasts „Tired Women“ von und mit Bianca Jankovska habe ich das Ganze mal aus einer anderen Perspektive gesehen.
Nicht das Thema bewegt sich, sondern ich.
Was das bedeutet? Während ich endlich gecheckt habe, was [ein beliebiges Thema] für mich bedeutet und wie ich damit umgehe, wird eine andere Person das erste Mal mit den gleichen anfänglichen Fragen konfrontiert sein. Es könnte die Frage „Warum bin ich so neidisch auf die andere Person?“ sein oder aber „Was will ich erreichen?“. Zu jedem Zeitpunkt wird es jemanden geben, die a) mit Thema X abschließt, b) das Thema X ganz neu entdeckt und c) noch mittendrin im Thema X sein. Das Individuum bewegt sich von b über c nach a (oder kommt dort nie an), aber die Fragestellungen sind im Kern doch immer dieselben.
Zwei verschiedene Ansichten: Thema = konstant & Person = dynamisch versus Thema = dynamisch & Person = konstant. Wie du es siehst, bleibt dir überlassen.
Mir hat es geholfen, das Thema als Konstante zu sehen und mich als dynamisch zu betrachten.
Dadurch kann ich mich irgendwie freier bewegen zwischen den Themen und sehe es nicht mehr als abgeschlossene Entwicklung bei mir an. Ich kann immer zurück zu einem Thema, wenn es mich beschäftigt und ich mich dazu äußern möchte. Die Gruppe, die es interessiert, wird nicht mehr dieselbe sein, aber es wird eine Gruppe geben, die es gerne hören will.

Was ich am Ende für mich mitnehme:  Auch wenn das Thema für jemand anderes out ist, so ist es für mich gerade topaktuell und es wird auch noch andere Menschen geben, die es topaktuell finden und sich dafür interessieren. Es gibt also immer interessierte Zuhörer:innen/Zuschauer:innen/Leser:innen.

Fazit II: Die Schönheit der Wiederholung

Wiederholung ist ein mächtiges Werkzeug. Und kann sowohl zum Guten als auch zum Schlechten benutzt werden.
Die Schönheit der Wiederholung, sage ich. Welche Schönheit, fragst du dich. Ich sehe die Schönheit der Wiederholung im Lernprozess, der stattfindet.
Ich unterscheide an dieser Stelle das aktive und das passive Lernen (alles nicht fundiert und keine wissenschaftlichen Quellen, nur meine eigene Begriffsbezeichnung) und möchte vor allem auf das passive Lernen eingehen. Das passive Lernen bezeichne ich als den Lernprozess, den wir nicht bewusst angehen. Ein Beispiel wäre Werbung – ein Beispiel, das man kritisch beäugen kann. Ich greife lieber auf ein anderes Beispiel zurück, wo die Wiederholung meiner Meinung nach dazu beitragen kann, die Welt ein bisschen besser zu machen. Und zwar soll es jetzt um Instagram als Vertreter der Sozialen Medien gehen.

Ich habe mir meinen Feed zusammengebastelt. Oft ohne lange zu überlegen, ob ich einer Person jetzt folgen will oder nicht. Schnell den Account überflogen, die Bilder und die Captions. Und wenn mir der Account gefällt, habe ich ihn abonniert. Schnell baut sich da ein kleines Universum an Menschen zusammen, denen ich in meinem Feed begegne. Und ganz klar ist, dass es eine abgegrenzte Blase ist und die Meinungen sich durchaus überlappen. Und jetzt kommt die Schönheit der Wiederholung ins Spiel.

Was passiert? Person A spricht über ein (gesellschafts)relevantes Thema. Eines, das ich nicht kenne, aber spannend und wichtig finde. Nicke vor dem Bildschirm, lasse ein Like da. Das Thema hat ganz kurz meine Aufmerksamkeit bekommen, aber das war’s auch schon. Dennoch hinterlässt es eine Spur, wenn auch nur ganz klein. Ich stelle mir das vor wie einen Faden, einen Gedankenfaden, in meinem Kopf. Dieser Gedankenfaden soll gold sein und wurde gerade in meinem Kopf gesponnen. Geht aber schnell unter im alltäglichen Gedankenwusel. Irgendwann – Tage, Wochen, Monate später – taucht das Thema wieder auf. Von einer anderen Person, anders formuliert, im Kern aber gleich. Der Faden taucht wieder auf, ich spinne den goldenen Faden länger. Im nächsten Moment ist er wieder weg und verschwindet zwischen dem gelben, violetten und grünen Gedankenfaden. Die haben gerade Priorität, sind schon richtige Wollknäuel. Und das passiert immer wieder – Wiederholung eben. Der goldene Gedankenfaden wird länger, vielleicht auch bisschen dicker. Aber festhalten kann ich ihn mit meinen Händen nicht – oder ich will nicht.

Aber irgendwann passiert es: Der goldene Gedankenfaden ist zu einem richtigen Wollknäuel geworden und er ist da und ich kann ihn nicht mehr übersehen.
So viele Informationen, die in diesem goldenen Wollknäuel stecken und ich merke, dass ich mich jetzt damit befassen muss und möchte. Und so nehme ich den Wollknäuel endlich in die Hand, entrolle ihn und sehe alles auf einen Blick. Ordentlich wird er aufgerollt und so entsteht ein schön aufgerollter Wollknäuel, so wie er im Wollladen zu kaufen ist.

Der Zeitpunkt, an dem der unordentliche Wollknäuel nicht mehr zu übersehen ist, das ist der Moment der Erkenntnis, dass dieses Thema für mich relevant ist. Begonnen mit den Gedanken anderer Menschen. Und endet damit, dass ich mich genauer mit dem Thema befasse und eine eigene Meinung bilde, indem ich den Wollknäuel auseinandernehme und es langsam und konzentriert ordentlich aufrolle.
Und wer weiß, ob ich mich schon so bald mit dem Thema befasst hätte, wenn es mir nicht immer wieder begegnet werde. Durch die ungeplante Wiederholung wurde der Prozess beschleunigt. Die Wiederholung des Inhalts brachten mich zu einer Erkenntnis. Und das meine ich mit der Schönheit der Wiederholung. Beim passiven Lernen nicht danach gefragt, aber sehr hilfreich gewesen.

Was ich am Ende für mich mitnehme: Es braucht die Wiederholung, um Themen ihre Bedeutung zu verleihen. Daher bin ich gerne eine von 9368574 Wiederholungen zum ewig gleichen Thema. Ich trage damit zum goldenen Gedankenfaden bei einer anderen Person bei.
Ich habe als Beispiel meinen Instagram-Feed genutzt, aber letzten Endes ist es egal, wodurch der Gedankenfaden länger wird. Zeitung und Zeitschriften, Podcasts, Videos, Gespräche mit Menschen.

Randnotiz: Wie ich anfangs sagte, die Wiederholung ist ein mächtiges Werkzeug und ist sehr wirksam. In beide Richtungen: Sinnvoll eingesetzt oder missbraucht. Denken wir an Fake News, sehe ich klar die Gefahr der Wiederholung. Was wir als Zwischenschritt also nicht vergessen dürfen, ist zu hinterfragen. Sich mit den gegebenen Informationen auseinanderzusetzen und diese einzuordnen ist ein sehr wichtiger Schritt.

Fazit III: Das Richtige zum richtigen Zeitpunkt auf die richtige Art & Weise

Mein letztes Fazit des heutigen Texts: „Das Richtige zum richtigen Zeitpunkt auf die richtige Art & Weise“ oder auch „Richtig hoch 3“ (haha).
Den Impuls zu dieser Aussage hat mir Melina mit ihrem Text „Wie du Bücher richtig liest – und dein Leben veränderst“ auf Vanilla Mind gegeben. In ihrem Text schreibt sie, wie man als Leser:in das Meiste aus einem Buch für sich mitnehmen kann. Da ich es nicht besser als sie formulieren kann, lade ich dich dazu ein, selbst ihren Text zu lesen (dauert wenige Minuten): Melinas Text „Wie du Bücher richtig liest – und dein Leben veränderst“.
Als ich das erste Mal den Text gelesen habe, habe ich aus ihren 5 Tipps folgende 3 in der folgenden Reihenfolge mitgenommen:
#3 Mach es wie beim Buffet: Nimm alles mit, was dir schmeckt.
#1 Es ist okay, wenn dich ein Buch nicht immer fesselt.
#2 Erwarte nicht, dass der Autor dieselbe Sprache spricht wie du.

Für mich habe ich es zusammengefasst als den richtigen Inhalt zum richtigen Zeitpunkt auf die richtige Art & Weise vor die Nase zu bekommen. Es kann ein Kapitel in einem Buch oder nur ein Satz in einem Text sein, der etwas in mir auslöst. Und manchmal passen die Faktoren gar nicht zusammen und ich kann nichts mitnehmen.
Nun schreibe ich selbst Texte und wechsle damit die Rolle. Für viele Menschen werde ich keine der drei Punkte treffen können: Keine richtige Aussage, nicht zum richtigen Zeitpunkt, nicht auf die richtige Art & Weise. Es wird aber auch Menschen geben, für die wird genau das eintreffen. Es ist eine Frage des Zufalls. Und ich bin davon überzeugt, dass es immer jemanden geben wird, die:der etwas mitnehmen wird – und wenn es nur ein Satz oder ein bestimmtes Gefühl ist, das ausgelöst wurde. Dieses 9368574te Mal ist dann womöglich der Punkt, an dem bei einer anderen Person aus dem goldenen Faden der goldenen Wollknäuel wird. Der Erkenntniszustand also, von dem ich im Fazit II geschrieben habe.

Was ich am Ende für mich mitnehme: Für irgendeine Person könnte ich der finale Schritt sein, damit der goldene Faden zu einem Wollknäuel wird. Hat mich an die Liedzeilen „Tausendmal berührt, / tausendmal ist nix passiert, / tausendundeine Nacht, und es hat Zoom gemacht.“ der Klaus Lage Band (LOL).

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Die drei Fazits sind sich sehr ähnlich, aber irgendwie doch auch anders, wie ich finde.
Als Abschluss sage ich mir also:
Meine Gedanken sind nicht einzigartig, nicht neu und schon mal da gewesen (jo, ich wiederhole mich xD). Den Impuls habe ich ganz sicher von außen. Aber das soll mich nicht davon abhalten, meine Gedanken zum Besten zu geben. Ganz im Gegenteil – mit diesen drei Fazits  werde ich hoffentlich noch ganz oft meinen Gedanken den öffentlichen Raum geben.
Darauf also ein „Hooray!“ – Hooray auf die Uneinzigartigkeit meines Gedankens.

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Und wenn du bis hierher gelesen hast, Chapeau und spüre meine Dankbarkeit und Freude darüber – ich weiß wie ich manchmal aufstöhne, wenn ein langer Text vor mir liegt. Obwohl der Inhalt mich interessiert (ich gehe davon aus, dass du ihn aus Interesse gelesen hast), so ist es dennoch Arbeit einen langen Text zu lesen. Und ich hoffe, dass er inhaltlich verständlich war :‘)

Foto von oben nach unten von Ian Panelo, Sameera Madusanka und Min An (von mir bearbeitet) von Pexels

Durchatmen

Ich habe heute einen Text, der mir sehr am Herzen liegt, einen riesigen Schritt weiter gebracht. Er ist noch nicht ganz fertig und ich muss nochmal drüber lesen, aber ich bin einfach erleichtert und stolz auf mich, dass ich ihn so weit gebracht habe.

Ich habe viele zweifelnden Gedanken, was meinen Blog angeht und muss mich immer selbst wieder davon überzeugen, das hier durchzuziehen. Meine innere Stimme stellt mich häufig infrage, ob ich Texte zu diesem oder jenem Thema wirklich posten soll. Verschiedene Ansätze haben sich dabei gesammelt, um mich selbst zu überzeugen und mich stets selbst daran zu erinnern, es einfach zu tun. Kleine Denktricks für mich, wenn ich wieder überlege, ob ich dies oder das nun wirklich online stellen soll.

Und das Ergebnis kommt im Text mit dem Titel „Die Uneinzigartigkeit meines Gedankens“. Ich bin müde davon mich mehrere Stunden mit dem Text auseinanderzusetzen und möchte mit diesem kurzen Post einen Schlussstrich für heute ziehen. Und es mal ruhen lassen. (Hab mich kurz gefragt, wie ich das mit den Abschlussarbeiten gemacht habe, da saß ich ja auch mehrere Stunden dran. War auch anstrengend, aber da war der Aufbau nicht so schwer. Und auch nicht so persönlich.)

Ich wünsch‘ dir was!

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Meine Wohlfühlblase mit meinem Gewissen vereinbaren

In den letzten Tagen habe ich wiederholt versucht, einen Text zu schreiben. Aber meine Gedanken waren so verworren, kein roter Faden erkennbar. Immer wieder habe ich von Neuem angefangen. Mal mit Fragen, die mir durch den Kopf gingen, dann doch lieber mit den Antworten, die ich darauf fand. Aber es wollte nicht so richtig werden. Es war frustrierend für mich, meine Gedanken nicht schriftlich sortieren zu können. Also hab ich es erst mal gelassen. Jetzt versuche ich mit einem anderen Ansatz meine Gedanken mitzuteilen. Gewissermaßen aus der Distanz.

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Der Gedanke: Wohlfühlblase und Weltgeschehen

Der Gedanke, den ich ausführen wollte, beschäftigt sich mit meinem schlechten Gewissen, das ich habe, wenn ich mich zurzeit zufrieden in meine Wohlfühlblase begebe, die mit Hobbys und Projekten geschmückt ist. Zur gleichen Zeit passieren weiterhin Dinge auf der Welt, die mit dem Wort „schlecht“ nur sehr oberflächlich beschrieben werden können. Als ob die Pandemie an sich nicht genug wäre, haben sich in den letzten zwei Wochen schlimme Dinge ereignet, die die Menschen vor Ort sehr verunsichert zurücklassen. Ich, aus der Ferne, kann kaum erahnen, was für ein schreckliches Gefühl es sein muss, wenn sich ein Attentat in der eigenen Stadt ereignet. Dazu diese Woche der Beginn des Lockdown lights und die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten. Alles kräftezehrend. Aber für mich nur sehr am Rande. Schnell erscheint mir das Weltgeschehen wieder fern und ich nehme sie nur zur Kenntnis. So sehr habe ich mich in meine kuschlige Blase eingemummelt. Ich sitze zuhause, freue mich auf die Zeit mit mir und genieße sie. Weil ich meinem Interesse nachgehen konnte, mich neu ausprobiert habe, etwas gelernt habe. Und mir wird bewusst, wie ignorant ich dem Weltgeschehen gegenüber sein kann.

Die Frage(n)

Die Fragen, die ich mir stellte, waren also:
Darf ich guten Gewissens mich ständig mit meinem Wohlbefinden und Glücklichsein beschäftigen, während da draußen so vieles beschissen läuft? Möchte ich so ignorant und egoistisch sein und mich so abschotten?
Die Wörter ignorant und egoistisch sind bei mir negativ behaftet, obwohl ich mittlerweile nicht mehr denke, dass egoistisch ausschließlich schlecht sein muss.
Meine Antwort darauf? „Ja, ich darf.“ Aber Teil der Antwort ist auch eine Gegenfrage. Für mich stellt sich am Ende nicht mehr die Frage, ob ich das will und darf, mich vom Weltgeschehen zurückzuziehen. Viel mehr frage ich mich jetzt:
Wie und wie lange will ich das bzw. mich davon zurückziehen?

 Die Antwort(en) auf die Gegenfrage

Diese Frage beantwortet jede:r für sich selbst – ganz klar. Jede:r hat eine eigene Biografie und Umstände, die die Antwort beeinflussen. Meine Antwort sieht wie folgt aus:
  1. Es braucht ein Gleichgewicht aus Entspannung und Spannung.
  2. Spannung: Sich mit dem Weltgeschehen beschäftigen, wissen was um mich passiert und hingucken.
  3. Entspannung: Ich darf mir gute Zeit gönnen und diese genießen.
  4. Diese Entspannungsphase kann aber nicht ewig andauern, denn durch die Beschäftigung mit mir selbst (auch bekannt unter Me-Time oder Selbstoptimierung) wird die Welt auch nicht besser.
  5. Die Welt wird aber auch nicht durch ein schlechtes Gewissen besser. Viel mehr braucht es Aktion. Was folgt aus dem schlechten Gewissen?
  6. Ich nutze die Zeit der Entspannung, um – welch Überraschung! – mich zu entspannen. Freier Kopf. Daraus kann ich hoffentlich Kraft tanken.
  7. Ich erwarte aber auch von mir, Verantwortung zu tragen, wenn ich die Kraft dazu habe. Verantwortung kann sehr unterschiedlich definiert werden. Dazu gehört meiner Meinung auch schon zu wissen, dass die Welt als System verdammt ungerecht ist. Und sich als Teil des Systems zu sehen, was bedeutet, dass man auf jeden Fall irgendwie „mit drin hängt“.
  8. An dieser Stelle, mit dem Wissen, darf es im Alltag durchaus enden. Langfristig will ich weiter: Was kann ich tun? Ich will es wirklich versuchen: verstehen und in Aktion treten. Nichts großes, aber etwas tun.
  9. Zusammenfassend also auf die Suche nach diesem sagenumwobenen Gleichgewicht (siehe Punkt 1) gehen.

Wegweiser

Insofern schließe ich dieses Thema mit den Aussagen 1 bis 9 ab, die mir hoffentlich ein wenig den Weg weisen, wenn mich dieses Gefühl der Diskrepanz überkommt. Wenn negative Dinge sich in der Welt häufen und ich aber einfach nur Lust auf Wohlfühlblase habe. Ich werde mit der Zeit sehen, ob das hier ein Wegweiser sein kann oder nicht. Ob ich wirklich Kraft schöpfen kann, um Dinge anzustoßen oder ob das alles hier nicht doch nur eine Rechtfertigung ist.

~

Ich merke, dass dieser Text noch mehr aufwühlt in mir. Viele Einwände, viele „Aber bedenke doch auch“s, viele unerwähnte Zwischentöne. Deshalb fiel es mir so schwer, diesen Gedanken in einen Text zu fassen. Ich bin noch lange nicht fertig, glaube ich.
Und ich bin froh, erleichtert und stolz, was am Ende herausgekommen ist.