Gesundheit von Gegenständen

Kapitel 1: Spülmaschine

Angefangen hat es mit unserer Spülmaschine, die eine Macke hatte. Die Tassen, die in der oberen Etage standen, waren sauber – bis auf etwas, das aussah wie eingetrocknete Gemüsebrühe. Diese eingetrocknete Gemüsebrühe hing mal drinnen, mal draußen. Wir hatten keine Ahnung, was die Ursache dafür war. Befüllten wir unsere Spülmaschine zu voll? War das Mittel nicht mehr geeignet? Wir versuchten dies und das und nach einer Internetrecherche war die Antwort ganz simpel: diese Drüsen, die sich drehen, sollten wir mal säubern. Oft verirrt sich dort Essensrest hinein, sei es ein Maiskorn oder ein Reiskorn, und verstopft diese Drüsen. Und das führte wohl dazu, dass diese eingetrocknete Gemüsebrühe-artige Ablagerungen entstanden. Ich verlängerte spontan meine Mittagspause (ja ja, habe während des Mittagessens im Home Office meine Recherche durchgeführt), nahm diese Drüsen raus und tatsächlich waren einige der Drüsen verstopft. Der nächste Spülgang zeigte, dass die Säuberung wirkte und die Tassen waren wieder sauber.

Einer Freundin erzählte ich von diesem Wunder, das ich vollbracht hatte. Statt verblüfft zu sein von dieser Erkenntnis, war sie geschockt, dass ich noch nie die Spülmaschine gesäubert hatte. In ihrem Haushalt machen sie das recht regelmäßig, alle paar Wochen wird die Spülmaschine gesäubert.

Mir kam der Gedanke: „Auskennen sollte man sich mit seinen Anschaffungen….“ 🤨

Kapitel 2: Funktionskleidung

Im Herbst letzten Jahres machte ich mich auf die Suche nach einer neuen Regenjacke und einem Paar Wanderschuhen. Ich war in einem großen Outdoorladen und arbeitete mich durch die Abteilungen: Erst mal eine Regenjacke finden. Während der Verkäufer mich gut beriet und mir verschiedene Jacken zeigte, lernte ich vor allem die Unterschiede der Jacken. Weshalb eine Jacke eben um so-und-so-viel Euro teurer war als die andere Jacke: Naht, Beschichtung, sonstige Gimmicks. Unter all den Erklärungen fand sich irgendwo auch eine Erklärung, wie so eine Funktionsjacke/Regenjacke zu pflegen ist. Ich habe mir geschworen, es aufzuschreiben. Denn ich will natürlich möglichst lange was von meiner Regenjacke als solches haben: sie soll ganz lange Regenwasser von mir fernhalten und den Regen schön abperlen lassen. Ich habe also wissbegierig zugehört. Es kam wie es kommen musste: Ich habe es mir nicht aufgeschrieben.

Ähnlich ging es mir mit den Wanderschuhen. Auch da habe ich Pflegetipps bekommen, damit die Schuhe lang ihrer Funktion nachgehen kann, das Material nicht porös wird und wasserdicht bleibt. Vor Ort habe ich das Pflegeprodukt noch gekauft. Aber wann ich das mal wieder anwenden soll… ich weiß es nicht. Ich habe es mir ebenfalls nicht notiert.

Kapitel 3: Bereitschaft

Aus all diesen Begegnungen kamen mir:

Kann ich denn die Dinge, die ich mir zu eigen mache, pflegen?

Weiß ich, wie ich diese lange am Leben erhalte?

Bin ich bereit, entweder Zeit oder Geld oder beides zu investieren, um mein Eigentum instand zu halten?

Ich wünschte, ich würde mir diese Fragen häufiger (immer?!) stellen, wenn ich mir etwas anschaffe. Sei es groß oder klein. Bei einigen Sachen ist es für mich naheliegender, mir diese Frage zu stellen. Kleidung etwa. Da achte ich tatsächlich beim Kauf auf das Material. Wenn ich ein Kleidungsstück aus einem delikaten Material kaufe, etwa Wolle, Leinen oder Tencel, bin ich mir bewusst, dass ich entweder lange warten muss bis sich die Maschine füllt (weil ich gar nicht so viele Kleidungsstücke dieses Materials habe) oder alternativ bin ich bereit, eine Handwäsche durchzuführen.

Aber darüber hinaus stelle ich mir selten die Frage nach der Pflege und ob ich diese leisten kann (will). Viele Anschaffungen mache ich ohne über die notwendige Pflege nachzudenken. Nicht unbedingt, weil ich denke, dass eine Neuanschaffung günstig ist und diese schnell durch einen Neukauf zu ersetzen ist. Sondern einfach aus der (dringenden) Notwendigkeit heraus oder dem innigen Kaufwunsch, gepaart mit Ungeduld und Naivität, dass ich mich schon drum kümmern werde. Und dann kickt die Realität.

Vieles haben wir gelernt und machen wir bereits im Alltag: Wir halten unsere Küche sauber, spülen das Geschirr ab, halten die Wohnung/das Haus sauber, waschen unsere Kleidung. Aber viele Sachen wurden bei mir in diesem Pflegezyklus nicht mitgedacht. Ich denke, unter anderem ist die Frage, was ich gelernt und mitbekommen habe von meinem eigenen Zuhause als ich aufwuchs. Kleidung waschen (dunkel/hell) habe ich im Elternhaus gelernt; eine Spülmaschine hatte ich erst im Erwachsenenalter, in der ersten eigenen Wohnung mit Partner. Da war sie halt, die Spülmaschine und wir haben uns beide nie gefragt, was wir machen müssten, um sie am Funktionieren zu halten.

Kapitel 4: Gesundheit

Das ist das, was ich selbst mitnehme: Mich mit meinem Eigentum auseinanderzusetzen und zu lernen, wie ich es pflege, damit ich noch lange was von ihnen habe. Wenigstens darüber nachdenken und/oder probieren die Pflege zu geben, die es braucht, um dessen Lebenszeit zu verlängern. Mir ist bewusst, dass in jeden Gegenstand, sei er günstig oder teuer in der Anschaffung, Ressourcen in Form von Material, als auch in Form von Zeit und Energie hineingeflossen sind.

Das wird mir auf lange Sicht bestimmt Geld sparen, aber vor allem ist es ein schönes Gefühl, Dinge am Leben erhalten zu können. Bevor sie kaputt gehen und repariert werden. Wie heißt es so schön… Vorsorge ist besser als Nachsorge? Das gilt nicht nur für unsere Gesundheit, es gilt auch für die Gesundheit unseres Eigentums. Und lieber „spät“ als nie – also jetzt mich mit dem beschäftigen, was sich bereits in meinem Haushalt befindet und nachhaken, ob ich weiß, wie ich X oder Y intakt halten kann. Es ist ein großes Unterfangen – aber diese Fürsorge bin ich den Dingen meines Lebens irgendwie auch schuldig.

Ich kann also endlich mal herausfinden und anschließend notieren, wie ich meine Regenjacke, meine Wanderschuhe und meine Waschmaschine pflegen sollte.

Und, was gibt es bei dir so, das ein bisschen Pflege verdient hätte?

-----

Schenk mir ein Emoji

Loading spinner

11 Antworten auf “Gesundheit von Gegenständen”

  1. […] Gesundheit von Gegenständen … hat sich Mai Quynh vorgenommen und wirft einen Blick auf die Selbstverständlichkeit mit der wir mit Technik und Konsumgütern durch’s Leben gehen. Manchmal ohne in deren Lebensdauer zu investieren. Ich habe mich ertappt gefühlt und direkt erstmal das Waschmittelfach der Waschmaschine gesäubert … . […]

    Antworten

  2. Ah herrlich, ich hab mich total in deinem Erlebnis wiedergefunden. Ich bin auch ohne solche Annehmlichkeiten wie Mikrowellen und Geschirrspüler aufgewachsen und habe zuerst die Sichtweise meiner Eltern „importiert“: braucht doch kein Mensch!
    Als ich dann mit meinem Partner zusammen gezogen bin und der das schon alles wichtig fand, sah ich das 1. anders und 2. fühlte ich mich etwas ertappt, sogar „dumm“, weil er sehr wohl wusste, dass man das alles mal so und so reinigen muss.

    Aber diese Situationen begegnen mir auch immer wieder und es gibt immer mal wieder „neue“. Es wird auch gar nicht so oft über Dinge des Alltags gesprochen, weil dieses Gefühl von Ertappt-werden nicht so angenehm ist. Vermute ich jedenfalls. Und je nach Personenkreis kann’s auch eskalieren. Ich war neulich in der Kaffeeküche etwas peinlich berührt als da so ein Battle losging, wer wie früh aufsteht.

    Deinen Artikel hab ich diese Woche als Anlass genommen, um mal die Waschmittelkammern unserer Waschmaschine sauber zu machen. Jawoll. Fühlt sich gut an. Danke!

    Antworten

    1. Wie cool, dass dich das direkt motiviert hat, die Waschmaschine sauber zu machen 😀
      Ja, gerade wenn man als Erwachsene vor dieser Situation steht und sich dann doof fühlt, weil man etewas nicht weiß. Aber das ist wahrscheinlich generell dieses Phänomen, dass man die Erwartungshaltung hat als Erwachsene „alles“/sehr vieles wissen zu müssen und so selbstverantwortlich sein sollte, sich eben reinzuarbeiten. Auch wenn wir alle wissen, dass jede:r immer wieder was lernt – was ja voll schön ist. Aber welche Wissenslücke gilt als vorausgesetzt und welche als akzeptabel?
      Oje … ich wäre bei dem Battle mit aufstehen und schlafen gehen-Zeiten voll eingestiegen xD

      Antworten

  3. „alle paar Wochen wird die Spülmaschine gesäubert“
    …alle… …paar… …Wochen??!

    Und ich bin schon stolz auf mich, wenn ich dran denke, mal wieder Salz nachzufüllen!

    Antworten

    1. Deine Reaktion finde ich herrlich! So habe ich tatsächlich auch reagiert als ich davon gehört habe. Ich muss mal nachhaken, ob es wirklich alle paar Wochen sind oder sie überspitzt hat. Mir geht es ähnlich mit dem Salz und Klarspüler – kaufe ich auch erst, wenn es eigentlich schon wieder notwendig, aber leer ist…

      Antworten

  4. Oh gut, ich gehe manchmal mit meinen Sachen so ignorant und fahrlässig um. Da sollte ich mich auch echt mal viel mehr drauf konzentrieren.

    Antworten

    1. Ich will gar nicht zu lange überlegen, bei vielen Dingen und Sachen ich ignorant und fahrlässig umgehe 😅 Vielleicht ist ja der erste Schritt schon getan, sich dessen bewusst zu werden? Und vielleicht kann man manchmal auch darauf hoffen, dass Produkte die menschliche Nachlässigkeit zumindest mitbedenkt.

      Antworten

  5. Ich finde mich da gut wieder in deinem Artikel. Meist merke ich auch erst, dass Wartung nötig gewesen wäre, wenn sich erst einmal ein Fehler ergeben hat. Angefangen von Fahrrädern (bei Autos gibt es ja zumindest festgelegte Kundendienste), Abflusssystemen (habe ich neulich erst zerlegt und komplett gereinigt, weil wir ein Leck hatten), Scharnieren in Türen/Fenstern usw. usf. Aber das gehört halt irgendwie zum Lernprozess dazu. Spülmaschine und Waschmaschine lassen wir immer mal wieder leer mit Reinigungsprogramm laufen und hoffen, dass das schon für ausreichend „Schutz“ sorgt. 😅

    Antworten

    1. Erleichternd zu hören, dass es dir da ähnlich geht. Ich höre mich möglicherweise etwas belehrend an – gleichzeitig weiß ich auch, dass das auch einfach das Leben ist. Wem verdenke ich es, dass wir Dinge kaufen, die uns vor allem das Leben vereinfachen und dann erst mal damit leben im größten Optimismus, dass das schon halten wird? Niemandem verdenke ich das. Und das Leben ist ja dann immer noch, trotz „vereinfachender Maßnahmen“ immer noch anstrengend genug. So wie du sagst – wir lernen dazu, vor allem auf dem Weg und wenn der „Fehler“ erst mal entstanden ist. Alles immer vorausschauend zu machen, wäre höchst vorbildlich, aber auch nicht realistisch. Und oft werden uns die Fehler beim ersten Mal ja auch verziehen.

      Antworten

  6. Oh bei mir wäre es die Gesundheit, da bin ich echt nachläßig /o\
    bei Dingen/Sachen bin ich immer sehr fürsorglich, zum Glück, und so halten sie auch wirklich lange.

    Antworten

    1. Dann doch lieber die Gesundheit der Dinge, die vernachlässigt werden *tadel*! Andersherum ersparst du dir auf diese Weise auch viele Nerven, wenn deine Dinge so langlebig sind. Dann kann ich ja nur schwer hoffen, dass du bei deiner Gesundheit da nachziehst!

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert