Japan 2023 #4: Okayama, Kurashiki und Himeji

Unsere nächste Base war Okayama. Ich wollte vor allem wegen des Gartens, dem Koraku-en, dort hin. Er „zählt zu den drei berühmtesten Landschaftsgärten in Japan“ 1 und „lange Zeit zu den drei schönsten Gärten Japans“ 2. So angepriesen, will ich alle drei mal sehen und der Koraku-en in Okayama wäre der erste. Außerdem gibt es in Okayama eine Burg, die unter dem Namen Krähenburg bekannt ist und sehenswert wäre. So viel zu den Beweggründen für Okayama.

Tag 1: Ausflug nach Kurashiki

Nach der Ankunft in Okayama hatten wir noch den Nachmittag und Abend vor uns gehabt. Wir entschieden uns nicht zu einer der genannten Sehenswürdigkeiten zu gehen. Stattdessen fuhren wir nach Kurashiki. Kurashiki ist eine nahe gelegene Stadt und ist für das Stadtbild bekannt: die Fassaden der Häuser, die noch aus der Edo-Zeit stammen, sind bis heute erhalten und schmücken so den Stadtkern.

Wasserlauf in der Hauptstraße des Kurashiki Stadtkerns (etwas düster)

Nicht nur die Hauptstraße, wo sich der baumumsäumte Wasserlauf befand, war sehenswert. Vor allem das Netz aus Gassen dahinter machte Spaß: wir schlenderten und bogen nach Lust und Laune links oder rechts ab und gingen (gewollt) verloren.

Gasse in Kurashiki

Wir fanden zwei süße Läden, wo wir Souvenirs und Geschenke (u.a. Washi-Tape en masse!) kauften. An dem Tag war nicht viel los, teilweise liefen wir alleine die Gassen entlang. Wir kamen zufällig am Ivy Square vorbei – eine schöne Anlage. Dort befand sich die erste moderne Baumwollfabrik Japans, heute stehen dort ein Museum, ein Restaurant und ein Hotel. Als die Sonne bereits untergegangen war, ging es wieder nach Okayama und beendeten wir mit Abendessen.

Washi-Tape Laden in Kurashiki
Ivy Square

Tag 2: Okayama-Tag! Die Burg und der Garten.

Der Okayama-Tag! Auf dem Tagesprogramm standen die Krähenburg und der Garten Koraku-en. Wir sind erst in die falsche Richtung gefahren (wenn jemand in Google Maps nach „Castle“ sucht, bitte überprüfen, ob wirklich die Burg ausgespuckt wird. Wir standen auf einmal vor einem Sportplatz?!).

Nach einem kleinen Conbini-Snack sind wir halbwegs gut gelaunt bei der Krähenburg angekommen, die ihren Namen der schwarzen Fassadenfarbe zu verdanken hat. Sie war kleiner als erwartet und drinnen waren die Räume gut aufgearbeitet und es gab viele Informationen zur Burg und zur japanischen Geschichte zu lesen.

Krähenburg in Okayama

Das Ende der Burgbesichtigung bedeutete auch der Anfang des Gartenbesuchs. Der Koraku-en ist neben der Burg angelegt. Ich war schon sehr aufgeregt und hatte große Erwartungen. Da nicht nur ich, sondern auch der Reisepartner enttäuscht war, bin ich der Meinung, dass es nicht nur an meiner großen Erwartung lag, dass der Garten enttäuschte. Der Garten war weitläufig, davon war aber viel Rasenfläche und das hat uns stutzen lassen. Die Annahme, dass ein japanischer Garten von jeder Position aus ästhetisch aussieht, … es gab Momente, wo ich dieses Bild nicht fand.

Es gab schöne Ecken, so ist es nicht. In der Mitte war eine Anhöhung, es gab einen See in dem wir Kois beim Schwimmen zusahen und ich habe einen Matcha genossen. Und im Oktober gibt es im Garten immer eine Chrysanthem-Ausstellung. Und so konnten wir uns die blumige Chrysanthem-Interpretation des Fujis ansehen 😀

Koraku-en – rechts im Bild die Rasenfläche
Koraku-en
Chrysanthem-Ausstellung im Koraku-en

Den Abend verbrachten wir wieder mal in einem Einkaufszentrum und durchliefen viele Stockwerke und entdeckten witzige und interessante Läden. Japanische Einkaufszentren machen auch Spaß. An Gashapon-Flächen muss ich immer stehen bleiben. Wirklich schwer daran vorbeizugehen LOL

Ganz viele Gashapons!
Ein Laden nur mit Puzzles

Tag 3: Burg Himeji

Nachdem wir alles abgehakt haben, was wir in Okayama vorhatten, suchten wir wieder nach Programm. Es ging wieder raus aus Okayama und wir machten einen Tagesausflug nach Himeji. Hauptsehenswürdigkeit: die Burg Himeji, die über der Stadt thront. Im wahrsten Sinne des Wortes. Himeji liegt auf halber Strecke zwischen Osaka und Okayama.

Man kann, wenn man einmal den Bahnhof verlassen, die Burg kaum verfehlen – einerseits war der Strom an Touris eindeutig, andererseits muss man nicht lange laufen bis man die Burg selbst sieht. Die Burg stammt aus dem 17. Jahrhundert , gilt als „schönstes Beispiel des japanischen Burgenbaus“ 3 und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Im Gegensatz zur Burg Okayama besticht diese Burg durch ihre weiße Farbe und viel mehr noch durch ihre Größe.

Burg Himeji
Burg Himeji in der Seitenansicht

Mit vielen anderen Touris und Schulklassen besichtigten wir den Hauptturm von innen. Wir kletterten alle Stockwerke hoch und dann wieder runter. Anschließend schauten wir uns noch einen weiteren Flügel der Burg an. Mehr kann ich leider gar nicht erzählen :O

Nach dem Mittagessen gingen wir noch in den dazugehörigen Garten, dem Koko-en, der im Eintrittsticket inbegriffen war. Der Garten der Burg Himeji war in Parzellen aufgebaut, abgetrennt durch Mäuerchen. Jede Parzelle widmete sich einem Thema widmeten und so war es ein Wechsel an Stilen während wir durch die Gartenanlage gingen. Ausnahmsweise habe ich nicht so viele Fotos von einem japanischen Garten gemacht.

Wasser im Koko-en, Garten der Himeji-Burg

Unsere erste Reaktion im Koko-en war tatsächlich: „Das haben wir uns vom Garten in Okayama erwartet!“. Wie ich diesen Artikel schreibe, frage ich mich schon, ob ich dem Koraku-en nicht unrecht tue mit dem Koraku-en bashing und dem Vergleich zum Koko-en. Ich komme auf dieses Thema weiter unten nochmal zurück.

Ein bisschen Izakaya-Feeling

An zwei Abenden sind wir nach dem Abendessen noch weitergezogen und haben uns in japanische Kneipen reingesetzt, dem Izakaya. Es gibt dort neben den Getränken immer kleine Gerichte, ich würde sie am ehesten noch mit Tapas vergleichen. Da bestellen wir uns ein paar Speisen und wenn sie uns gut schmecken, bestellen wir nach.

Ich bin nicht sicher, ob es „authentische“ Izakaya waren, also wo japanische Menschen tatsächlich hingehen. Dafür saßen doch recht viele Touris im Lokal und nicht so viele Japaner:innen. Daher schätze ich, dass die japanischen Menschen eher andere Izakayas aufsuchen. Aber ich denke auch, dass es schwierig ist ohne japanische Sprachkenntnisse und/oder tieferes Verständnis ist, ein authentisches Izakaya zu besuchen. Das ändert aber nichts daran, dass wir den Abend so entspannt ausklingen lassen konnten, mit gutem Essen und Getränken (mein Fokus liegt eher auf Essen als auf Trinken).

Highball und Edamame
Pilze mit Bonito-Flocken

Dem Pfirsichjungen Tschüss sagen

Am nächsten Tag hieß es schon Tschüss sagen, vor allem zum Pfirsichjungen Momotaro. Momotaro ist eine Figur des japanischen Volksglaubens und weil er aus einem Pfirsich geschlüpft ist, ist er eben der Pfirsichjunge. Ich dachte, dass die Geschichte in Okayama spielt, aber das ist nach meiner heutigen Recherche umstritten. In jedem Fall hat Okayama sich dem Pfirsichjungen angenommen und daher findet man überall den Pfirsich wieder. Und wir wissen ja, wie Pfirsiche manchmal aussehen 😀

Statue vor dem Bahnhof Okayama: Momotaro mit seinen Begleitern, einem Affen, einem Fasan und einem Hund
Momotaro auf Süßigkeiten
Ein Pfirsich – glasklar!

Auch wenn meine Meinung zum Koraku-en eher durchwachsen ist und Okayama als Stadt auch keinen großen Eindruck bei mir hinterlassen hat, so finde ich die Stadt als Ausgangspunkt nicht schlecht (es gibt laut Elisa auch eine Katzentram, die wir aber nicht aufgesucht haben). Mit Kurashiki und Himeji hatten wir zwei schöne Ausflugstage.

Gedanken aus dem Off

Erst beim Schreiben habe ich mich mehr mit japanischen Gärten im Allgemeinen und dem Koraku-en im Speziellen beschäftigt (ob es sinnvoller gewesen wäre, das vor der Reise zu machen?). Mich hat die Diskrepanz in meiner Reaktion zwischen dem Koraku-en als einer der drei berühmten Gärten und dem Koko-en als ein, ich nenne es mal flappsig „No Name“-Garten doch verwirrt. Die Erkenntnisse kommen in einem separaten Eintrag, irgendwann wenn die gesamte Reiseroute besprochen wurde.

~

Karte mit den benannten Orten. Tokio und Osaka als Referenzorte (eckige Klammern)

Quellen (alle Stand Mitte Juni 2025)

1 Okayama Korakuen-Garten (Wanderweib)

2 Korakuen-Garten (Japan Travel)

3 Burg Himeji (Wikipedia)


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2 Antworten auf “Japan 2023 #4: Okayama, Kurashiki und Himeji”

  1. Ach, ich mag deine Reihe ja sehr gern. 🙂 Das erinnert mich an die Orte, die ich in Japan besucht habe, die Vorfreude, das Planen, auch ein bisschen an den Blues danach. Du hast außerdem viele Orte besucht, die ich ausgelassen habe (Nikko bspw.) und auf die ich jetzt so richtig Bock hätte. Weil du gesagt hast: vielleicht hätte man sich vorher mit den Gärten beschäftigen sollen!? Ich weiß nicht … trial and error gehört ja auch irgendwie dazu. Irgendeine suboptimale Erfahrung wird es immer geben und die liefern ja (laut meines ehemaligen Chefs) die „besseren Geschichten“.
    Außerdem … ich weiß nicht wie es dir ging, aber bei der Planung einer größeren/weiteren Reise geht ja auch ordentlich Zeit drauf, oder? Wie hast du das erlebt? Für mich hat sich die Japan-Planung damals wie ein Minijob angefühlt. Von daher klar, dass irgendwas hinten runterfallen muss.

    Ich hatte auch so eine ähnliche Pleite mit Restaurants, Izakayas und Imbissen. Die waren halt häufig gar nicht mehr da oder nur an bestimmten tagen geöffnet, die nicht mehr zu den Angaben im Reiseführer, der Webseite oder gar Google passten. Den einen Crepe Brulee Stand in Harajuku würde ich wahrscheinlich heute noch suchen.
    Unser negativstes Erlebnis war der Besuch des Winkekatzen-Tempels in Setagaya. Ja, es gibt dort viele Katzen. Und ja, das gibt ein gutes Foto. Aber der Weg bis dahin ist so weit, dass wir einen halben Tag verschenkt haben, an dem wir im Großraum Tokyo sicherlich jede Menge anderes hätten anschauen können.

    Die Gashapon haben mich auch immer angezogen … schon alleine wegen des Sammeleffekts und der Überraschung, was wir wohl abstauben. 😀

    Antworten

    1. Herzlichen Dank – das freut mich sehr zu hören!
      Die Vorfreude, das Planen und den Blues danach – ich kenn’s ebenso.
      Ich hatte davor noch nie wirklich eine Reise geplant und dann eine dreiwöchige Reise zu planen war eine Herausforderung für mich. Ich habe das zwar nicht alleine gemacht, aber durch ein paar Sachen musste ich ja trotzdem durch. Es ging auf jeden Fall viel Zeit drauf, aber gleichzeitig hat das einen auch wieder beflügelt. Da ich meinen Teil erst recht spät angefangen habe, saß ich mal einen gesamten Samstag und Sonntag dran und habe recherchiert und dann meine Vorschläge eingebracht. Wir haben aber oft Sachen nicht tief-tief geplant und eher die Städte als „Base“ ausgesucht und haben daher vor Ort das ein oder andere noch geplant.
      Mit den Gärten habe ich mich im Nachhinein tiefergehend beschäftigt und das hätte ich trotz der Planung, die ich damals gemacht habe, nicht herausfinden können. Das sind dann eben die Dinge, die man dann erst vor Ort bemerkt. Dafür habe ich wieder etwas über mich und auch diese drei besonderen Gärten gelernt.
      Wer hat uns eigentlich denken lassen, dass es keine Pleiten gibt und alles Sonnenschein ist? Frustrierend sind sie trotzdem. Auch wenn der Crepe Brulee Stand und die ewige Suche amüsant zu lesen sind. Man lernt wahrscheinlich auch mit jeder Reise dazu, wofür man die Zeit ausgibt und welchen Weg man auf sich nimmt und welchen nicht (geografisch als auch zeitlich).

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