Wie ich Vorlesepatin in einem Kindergarten wurde

Seit Ende Januar 2025 bin ich ehrenamtlich als Vorlesepatin in einem Kindergarten tätig (auch wenn ich gerade pausiere). Und das ist so ein schönes Ehrenamt, sodass ich nur zu gern davon erzählen mag!

Einmal die Woche gehe ich in „meinen“ Kindergarten und lese dort einer kleinen Gruppe von Kindern ein Bilderbuch vor, das ich mitgebracht habe.

Bevor ich erzähle, wie mein Ehrenamt abläuft, erst mal wie es dazu kam.

Eine interessante Verkettung von Dingen

Erstens, wollte ich seit einiger Zeit wieder ein Ehrenamt ausüben. Schon häufig war ich im ehrenamtlichen Bereich tätig, was sich so anbot und worauf ich Lust hatte: aktiv im Nachbarschaftstreff, im Bereich der Lernhilfe oder in einer Hochschulgruppe.

Zweitens, hoffte ich über ein Ehrenamt vor Ort im neuen Wohnort anzukommen. Vor einigen Jahren bin ich in eine kleine Stadt umgezogen und so nutzte ich diese zwei Impulse, um mich umzuschauen.

Beim Herumstöbern auf der Webseite der inhabergeführten Buchhandlung des Ortes wurde ich aufmerksam auf deren Leseförderkreis. Leseförderung war zu dem Zeitpunkt schon ein paar Jahren auf meinem Radar für ein Ehrenamt. Und so ging ich in die Buchhandlung und sprach sie darauf an, ob/wie man sich da engagieren könne. Meine Ansprechperson war auch gleichzeitig die Vorsitzende des Leseförderkreises und wollte sich dazu intern erkundigen und ließ sich meine Mailadresse geben.

Kurze Zeit später wurde ich eingeladen zu einer Fortbildung namens „Lust an Büchern wecken“, wo es darum ging, wie man Bücher Kleinkindern (Kindergarten-Alter) schmackhaft machen kann. An der nahm ich teil und darüber hatte ich damals, als ich noch meine persönlicheren Monatsrückblicke geschrieben habe, sogar berichtet. Leseförderung war in meiner Vorstellung eher eine 1:1-Situation und wo ein Kind dabei war die Lesefähigkeit zu erwerben. Vorlesen war bis dahin keine Tätigkeit, über die ich als Ehrenamt nachgedacht hatte. Schon gar nicht im Kindergartenbereich mit Kindern von 1 bis 6 Jahren.

Nach dieser Fortbildung war ich Feuer und Flamme und konnte es eigentlich nicht erwarten, Vorlesepatin für Kinder zu werden. Es sollte aber noch 1,5 Jahre dauern bis es dann tatsächlich so weit kam. Ich hatte damals zwar Interesse gegenüber bekundet gegenüber dem Leseförderkreis, aber durch ein Missverständnis (wahrscheinlich) ist das im Sande verlaufen und wir hörten nicht mehr voneinander (ich hakte auch nicht mehr nach).

1,5 Jahre später: Kindergarten kennenlernen

Erst Ende 2024 hatte ich mich aufgerafft den Leseförderkreis nochmal anzusprechen und von da an ging es recht schnell. Die Vorsitzende des Leseförderkreises erkundigte sich nach meiner Wohngegend, denn sie wollte einen Kindergarten in meiner Nähe raus suchen, falls möglich, und würde in den umliegenden Kindergärten anfragen. Sie ist gut mit den Kindergärten des Ortes vernetzt, wie ich bemerkte.

Ein paar Tage später war klar: Es gibt ganz in meiner Nähe einen Kindergarten, der zu dem Zeitpunkt keine Vorlesepatenschaft hatte und würde mich gerne kennenlernen. Also Kennenlerntermin ausgemacht.

Die Vorsitzende des Förderkreises und ich trafen uns vor dem Kindergarten und gemeinsam trafen wir auf die Kindergartenleitung. Durch die Kindergartenleitung konnte ich mir ein erstes Bild von den Werten des Kindergartens machen und am Ende des Gesprächs sagte ich zu, dass ich sehr gerne in dem Kindergarten Vorlesepatin werden würde. Der Kindergartenleitung ging es glücklicherweise ähnlich und sie freute sich ebenso über mein Interesse.

Eine Woche später war ich bei einer Dienstberatung dabei und stellte mich den Erzieher:innen vor. Auch hier bekam ich positive Rückmeldung – das entspannte mich natürlich, zu wissen, dass die Erzieher:innen sich über mich freuten. Und dann nochmal eine Woche später ging es schon los und ich lernte die Kinder kennen.

Die Kinder kennenlernen

Eine Kindergartengruppe (es sind insgesamt drei) nach der anderen besuchte ich, jede Woche eine andere Gruppe. Beim ersten Besuch in der Gruppe hatte ich kein Buch dabei. Ich nahm das Buch, das die Gruppe zu dem Zeitpunkt gerade im Fokus hatte oder eines, das die Gruppe schon kannte. Die Idee dahinter war, dass nur ich neu für die Gruppe war. Das war etwas hart, weil ich mich ad hoc auf das Buch einlassen musste. Aber das tat dem Kennenlernen keinen Abbruch. So hieß es: Vorlesen und mich überraschen lassen bei den Großen (3 bis 6 Jahre); und bei den Kleinen (U3) mehr frei gesprochen und erzählt.

Ab dem zweiten Mal in einer Gruppe hatte ich ein Buch mitgebracht und seitdem bin ich einmal in der Woche im Kindergarten. Wie die regelmäßige Vorlesezeit aussieht, erzähle ich beim nächsten Mal 📖

Sharing is caring: Ein Link für Neugierige

Bevor ich den Post abschließe, möchte ich noch einen Link teilen für diejenigen, die ganz akut neugierig geworden sind: über die Stiftung Lesen kann man auf der Karte suchen, ob es eine Initiative in der Nähe gibt, die Vorlesepat:innen organisieren. Ich habe die Seite erst im Laufe der Vorbereitungen meiner Texte über die Vorlesepatenschaft entdeckt. Direkt für meinen Wohnort geprüft, ob es da was gibt – und tatsächlich, der oben genannte Leseförderkreis war gelistet!

Falls du also neugierig bist, schau hier vorbei: Vorlese-Initiativen in deiner Nähe (via Stiftung Lesen) (du musst dich über „Ich will aktiv werden“ durchklicken bis du zu einer Landkarte von Deutschland kommst).

Internetfunde (5)

💻|👩‍💻 Scratch-Kindergeburtstag
Der Artikel von ben_ hat mich ganz überraschend zurückversetzt in die Zeit, als ich eine Weile an einer Grundschule tätig war und ich mich mit MINT für dieses Alter auseinandergesetzt habe. Dabei war Scratch, eine „bildungsorientierte blockbasierte visuelle Programmiersprache für Kinder und Jugendliche“ (Quelle: Wikipedia „Scratch (Programmiersprache)“) ein Thema. Ich war schon sehr fasziniert von dieser Schnittstelle aus Programmieren und Schule. Jetzt habe ich ganz viel über mich erzählt, dabei wollte ich nur sagen: ben_ hat mich mit seiner Begeisterung in seinem Text über den Scratch-Kindergeburtstag direkt wieder in meine eigene Begeisterung zurückgeschleudert.

💻|📹 BeatUp
Über den Text Der lange Marsch zu Dir selbst von ben_ bin ich auf das Projekt BeatUp gestoßen. Bei diesem Projekt geht es darum, dass Hamburger Jugendliche mit Experten professionelle Musikvdeos produzieren. Ich habe eine Schwäche für Projekte und Initiativen, in denen Kinder selbst ran dürfen und etwas erschaffen. Stichwort Selbstwirksamkeit. Auch wenn es örtlich für mich nicht relevant ist, finde ich, dass sowas gesehen werden sollte!

💻|📷 Best Film Camera Finder – 5-Question Quiz to Reveal Your Options
Auch wenn letzten Endes jede:r die eigenen Recherchen macht, bevor eine analoge Kamera angeschafft wird: Die 5 Parameter des Best Film Camera Finder von Dmitri helfen, um sich grob zu orientieren. Sei es ganz am Anfang, wenn man erst mit der Kamerasuche beginnt oder auch zwischendrin, um zu checken, ob die auserwählte Kamera unter den Vorschlägen auftaucht. Bei mir war es letzters und das Quiz hat mir geholfen, nicht meine Prioritäten für eine neue Kamera (*hüst*) zu vergessen.

💻| 🔌 Netzgeflüster: Es muss mehr über das Energieproblem von Gen AI (KI) gesprochen werden
Seitdem ich den Text von Miss Booleana gelesen habe, stocke ich immer kurz, wenn jemand erzählt, in welchen Situationen oder für welche Dinge etwa ChatGPT genutzt wird. Die Fragen und Aufgaben, für die ChatGPT angewendet werden, sind so nichtig im Vergleich zu dem Energieverbrauch. Bis zu den Feiertagen sollte ich nochmal über das Energieproblem von Gen AI bei Miss Booleana lesen.

🎧|🖊 GAG480: Kein Klecks – die Erfindung des Kugelschreibers
Nachdem mich Miss Booleana vor Monaten mal auf den Podcast Geschichten aus der Geschichte (GAG) gebracht hat, gehe ich da immer wieder mal verloren. Zuletzt bei der Folge über die Erfindung des Kugelschreibers. Da benutze ich so einen Gegenstand alltäglich und habe mich noch nie gefragt, wie er erfunden wurde. Dafür ist GAG da!

📱|📚 Bookshop Spotlight
Dass ich Bücherorte ganz gern habe, ist kein Geheimnis mehr. Dazu zählen auch Buchläden und vor kurzem bin ich über den Buchladen meiner Stadt über diesen Instagram-Account gestoßen: Bookshop Spotlight. Dort werden deutsche Buchläden ins Rampenlicht gestellt und vorgestellt.

💻|📷 Blogventskalender – Tür 1
Gut, dass ich noch im Dezember diese Runde Internetfunde poste. Denn dann hast du noch ein paar Tage vom blogventskalender von der Fotografierenden Lehrerin. Jeden Tag postet sie ein Foto, das auf Twitter/X viele Likes bekommen hat, mit aufsteigerneder Zahl (mehr Details gibt es von ihr im Post fürs ersten Türchen). Es soll dazu gesagt werden, dass die Fotografierende Lehrerin sehr gerne Pfützenbilder macht. Meine Lieblinge bisher sind Tür 5, Tür 9 und Tür 11.

Glückliche 12 Euro: Bibliotheksausweis

Zuerst wollte ich auf ein Foto warten bis ich diesen Text veröffentliche. Dann habe ich gemerkt, dass ich nicht die Geduld habe, um auf dieses eine Foto zu warten. Daher musst du dich für eine Weile mit meiner folgenden Beschreibung zufrieden geben. Das Foto werde ich nachreichen – versprochen (*).

Das Äußere (das Foto)

Du stehst in einer Stadtbücherei frontal vor einem Regal, bestimmt 5 oder mehr Reihen, alle voll mit Büchern. Du siehst nicht das Ende des Regals, es geht über den linken und rechten Bildrand hinaus. Die Buchrücken schauen dich an. Und dann ist da ein Mädche vor dir, Grundschulalter. Es sitzt in der Hocke mit dem Rücken zu dir. Vor dem Kind ist ein Buch aufgeschlagen, die Hälfte des Buches ist vom Kind verdeckt. Du freust dich, weil es schön ist, wenn Menschen, insbesondere Kinder, in Büchern blättern.

Das Innere (Gedanke und Gefühl)

Dieses Foto markiert einen besonderen Tag. Der Tag an dem ich meinen Bibliotheksausweis im Jahre 2024 verlängerte. Und die Euphorie, die in mir aufkam, als ich dem Automaten meinen Ausweis hinhielt und nach Aufforderung die 12 Euro Jahresgebühr bezahlte.

Plötzlich wurde mir wieder klar, was das bedeutete: Geschichten mit nachhause nehmen, in diese einzutauchen und Gefühle und Gedanken von einer Skala von 1 bis 10 vorzufinden – die der Protagonistinnen und die meine.

Kein Buch verspricht mir die Welt, aber die Bibliothek verspricht mir tausend Sichtweisen auf die Welt.

Ich wusste nicht, wie sehr ich die Welt als Bibliotheksnutzerin vermisste bis ich die Bezahlung machte. Endlich wieder spontan eBooks ausleihen können, endlich wieder stöbern und zu wissen, dass das Buch mit nachhause genommen werden kann.

Am Ende waren es sechs Bücher: 1 Wanderführer und 5 Romane. Ich werde im Leben nicht die 5 Romane in den vier Wochen der Ausleihe schaffen. Aber wer kennt es nicht, dieses Glücksgefühl Bücher mitzunehmen.

12 Euro für so vieles: Geschichten, Impulse, Perspektiven auf die Welt und die Gesellschaft, neues entdecken und dieser Genuss irgendwo einzutauchen. In eine Liebesgeschichte, in die arabische Küche, in die Welt der Physik und Sprachen, in neue Tätigkeiten für die Hände, in die Geschichte der letzten zwanzig Jahre.

Ach, Bücher. Ach, Bibliotheken.

~

(*) Edit am 15. September: Hiermit reiche ich das Foto nach 🙂
Ein paar Worte findest du im Post Versprochen ist versprochen: Das Mädchen in der Mainzer Bibliothek.