Blog-Jahresrückblick 2025

Es ist das zweite Jahr, dass ich einen Blog-Jahresrückblick mache und wir haben das erste Januardrittel schon hinter uns gelassen aka ich bin im Vergleich zu den meisten Rückblicken spät dran. Während andere schon diverse Jahresrückblicke hinter sich gebracht haben, fange ich erst an 😀

Das war im ersten Jahr genauso und ich habe so ein vages Bauchgefühl, dass das einfach meine Herangehensweise ist. Mein Kopf benötigt die ersten Januartage, um selbst im neuen Jahr anzukommen und vorher will ich noch nicht aufs alte Jahr zurückblicken. Bevor es tatsächlich zu spät wird, schaue ich nun zurück. Ich bin gespannt, was ich 2025 o gemacht und wieder vergessen habe.

JANUARY

Erstmalig gibt es einen Jahresrückblick für den Blog. Der hat mich überzeugt auch einen für 2025 zu schreiben und hier sind wir also! Ich habe meine Eindrücke von der Stadtbücherei Malmö geteilt und erzähle von einem neuen Objektiv, das uns Fotos von der Herbstsonne schenkt (passenderweise im Januar, wo der Winterblues nicht weit ist). Am letzten Januartag veröffentliche ich meinen letzten bilingualen Beitrag und von da an bin ich nur noch einsprachig auf deutsch unterwegs. Neben dem Abschied erzähle ich was ich bisweilen gelernt habe, meine Beiträge auf deutsch und englisch zu veröffentlichen. Ich entdecke die WordPress App (late to the party?!) und binde zwei Plugins ein.

FEBRUARY

Erst im Februar schaffe ich es über das Fotoprojekt 365 (FP365) zu erzählen, das ich bereits am 5. Januar begonnen habe. Ich startete ein Format, wo es um meine fotografischen Erlebnisse und Erkenntnisse gehen soll, den fotolog. Der hat bis heute keinen klaren Rhythmus. Es geht fotografisch weiter und die ersten zwei Wochenlieblinge aus dem FP365 werden gewählt und gekürt. Das habe ich dann recht konsequent weitergeführt und erwähne sie im weiteren Verlauf des Jahresrückblicks nicht mehr. Im Februar veröffentliche ich drei nur ein bild (only one picture)-Beiträge (Caféblick auf Vietnam, Von Regen zur Perle and Bemooste Steinlaterne) und ich mag das Format immer noch sehr gerne – die Fotos sowieso. Ich hatte schon vergessen, was ich zum Caféblick auf Vietnam erzählt hatte und eben habe ich mich wieder gefreut. Nach dem ersten fotolog gibt’s nach 40 Tagen die ersten Erkenntnisse aus dem Projekt. Der Februar wurde bei mir damals, als Februar/März war, als Blog-intensiver Monat verbucht.

MARCH

Andere gönnen sich ein Tiramisu zum Nachtisch, ich gönne mir eine Hose mit einem offenen Schritt und der Bitte, diese zu reparieren. Mit dem sogenannten Matratzenstich konnte ich der Bitte nachkommen. Das J in Türklinke ist eine Erinnerung an einen Fotowalk in Marburg, wo ich zu spät wieder bemerkte, dass das Objektiv klemmte und mir damit nicht die beste Partnerin war für den Ausflug. Nachdem mir während des Jahresrückblicks eingefallen ist, dass ich 2024 vom Classic-Editor auf den Gutenberg-Editor umgestiegen bin, habe ich den Status Quo von 2024 und 2025 dokumentiert und ein Fazit gezogen. Wie aus Regen Perlen werden, erfahre ich als ich Portraits eines Blattes machen will. Und ich romantisiere trocknendes Geschirr auf vietnamesischen Straßen und nenne es ihren wohlverdienten Feierabend. Außerdem habe ich die Schlagwörter und Kategorien aufgeräumt und ich habe bis jetzt nicht das Bedürfnis, es wieder aufzuräumen. Man könnte also daraus schließen, dass es eine nachhaltige Aufräumaktion war 😀

APRIL

Im April denke ich laut darüber nach, worin der Unterschied zwischen den Wörtern Bücherei und Bibliothek. Auch erzähle ich davon, dass ich mich gerne um 180° drehe, während ich spaziere oder wandere, weil ich sehen will, was gefühlt nur mein Rücken sieht. Durch das Thema „Erinnerungen“ aus dem Projekt 52 mache ich ein Portraitfoto meines Festnetztelefons (das damals noch funktionierte) und schwelge in schöne Erinnerungen an meine jungen Jahre als Kind und Teenie mit einem Festnetztelefon. Von einer Autopanne an einem Freitagnachmittag erzählt ein Foto eines Autospiegels, der Wolken und DHL zeigt. Außerdem habe ich es endlich geschafft einen Blogroll zu erstellen.

MAY

Es gibt ein paar Makrofotos (man merkt, der Frühling ist da!) und ich erwähne, dass ich mit Caffenol analog entwickelt habe. Das stößt auf einiges Interesse, was mich freut. Nachdem ich die Erlaubnis bekommen habe, gibt es ein paar Fotos der Stadtbücherei Würzburg, die ich mal besucht hatte und bringe so neben den Eindrücken in Textform auch ein paar visuelle mit. Ich rekapituliere 40 Tage Smartphone im Projekt 365 und vermisse meine Fotokamera, die wirklich nur das kann: fotografieren.

JUNE

Im Juni entscheide ich sehr spontan, dass ich mit den Wochenliebling näher an die Gegenwart kommen will und nicht mehr so stark im Verzug sein möchte, sodass ich die Veröffentlichungsfrequenz im Juni erhöhe und so 9 Wochenlieblinge poste. Darüber hinaus frage ich mich nur, wie du aussiehst, wenn du schreibst? Jürgen, ein 365 Projekt-Mitstreiter, hat mir ein paar Fragen gestellt – zu meinem Umgang mit dem Projekt, aber auch generell zur Fotografie – und ich habe geantwortet.

JULY

Der Juli stand ganz im Stern meiner Japanreise von 2023. Das war eine 13-teilige Reiseberichtsserie mit Eindrücken und Erinnerungen von den einzelnen Orten, die wir besucht hatten; und andererseits auch analoge Fotos, die auf der Reise gemacht wurden. Hier ist der erste Teil. Dazwischen erzählte ich von meinem ersten Mal mit Caffenol entwickeln, das auch als Bericht zu verstehen und keineswegs als Anleitung zu lesen ist. Dafür haben wir zu freestyle gearbeitet.

AUGUST

Die Japanreise setzt sich fort und kommt schlussendlich auch zum Abschluss.

SEPTEMBER

Fotografisch blicke ich auf die Sommermonate Juni bis August und präsentiere meine Notizen zum Projekt 365.

OCTOBER

August und September sind vergleichsweise ruhig – die Schuld trägt die Urlaubsvorbereitung für die Reise, die Ende Oktober ansteht. So richtig viel mehr wird es im Oktober nicht, aber Zeit, um den 5. Geburtstag dieses Blogs zu feiern gibt’s auf jeden Fall; und eine Woche mit der Camp Revue passieren zu lassen, schaffe ich auch noch. Ich habe mich sogar getraut, eine Liste von Dingen zu schreiben, mit Dingen, zu denen ich noch gerne schreiben und veröffentlichen will. Hier nochmal die lose Liste: Third Places, meine Vorlesepatenschaft (Ehrenamt), über Repair Cafés (Interesse und Ehrenamt), meine Fotos von meiner Vietnamreise 2024, Pflege von Eigentum. Ich habe noch nichts geschafft, aber sie sind noch in meinem Interesse und an einigen bin ich sogar schon dran hehe

NOVEMBER

Im vorletzten Monat mache ich meine zweite Aufholjagd was die Wochenlieblinge angeht. Ich hab’s durchgerechnet: ich sollte mit dem Ende des Jahres auch zum Ende mit den Wochenlieblingen kommen. Auf der Japanreise 2023 habe ich auch einige fotografische Erkenntnisse mitgenommen und so ziemlich zwei Jahre später werden diese verbloggt.

DECEMBER

Nachdem ich letztes Jahr noch gerätselt habe, wie andere Menschen es schaffen so viele verschiedene Plätzchensorten gleichzeitig in der Plätzchendose zu haben, habe ich es tatsächlich selbst dieses Jahr geschafft: Mit einer Freundin habe ich einen Backmarathon gemacht und sieben Plätzchensorten waren’s am Ende.

Ziele für das Blogjahr 2025 erreicht?

(ich habe eine interne Zielliste)

  • Achieved: die Japanreise 2023 verbloggt // fotolog als neues Format etabliert // Formate Internetfunde und Blogger’s life weiterhin geführt // Bilder für den Bloggeburtstag gemacht // Tag- und Kategorien-Struktur aufgeräumt // Blognavigation angepasst // Blognetzwerk gelebt: wie gewohnt gelesen und reagiert, und neue Blogs entdeckt // Daten gesammelt für einen statistischen Rückblick
  • Bisschen geschafft: Fotoserien / Fotoessay schreiben (so wie Von Regen zur Perle) // Format nur ein bild aufrechterhalten (hat zum Ende komplett abgenommen)
  • Not achieved: dedizierte Schreibzeiten haben // mehr Handarbeit zeigen: generelle Handarbeiten, reparieren und stopfen // Blogfahrplan aufrecht erhalten
  • Nicht geplant, hat sich durchs Jahr entwickelt und finde ich super: das Fotoprojekt 365 geschafft!!!

Tschüssikowksi 2025

Letztes Jahr schrieb ich: „… habe ich Anfang 2025 trotzdem das Gefühl, dass viele Themen zu kurz kamen. Allen voran die Fotografie“. Das kann ich nun wirklich nicht für 2025 sagen – das war voller Fotografie. Vielleicht einen minikleinen Ticken zu viel. Oder zu viel von der Art, die ich nicht gesucht habe. Ein Jahr später und ich weiß: Es geht mir wohl darum, was ich mit den Fotos here mache und nicht darum, dass ich mehr Fotos mache.

Gefühlsmäßig geht mein Blogjahr 2025 als gutes Jahr in die eigenen Bloggeschichtsbücher ein. Es war nicht so krass gut wie 2024 (ich beschrieb es als wunderbares Blogjahr), wobei ich da etwas differenzieren muss: die erste Jahreshälfte fühlte sich noch nach der Aufregung des Jahres 2024 an, ab der zweiten Jahreshälfte verlagerten sich die Schwerpunkte meines Lebens auf außerhalb des Blogs. Das sehe ich jetzt auch gut an den Posts, die ich in den jeweiligen Monaten veröffentlicht habe. Das Wachsen, das ich mit 2024 verbinde, verlangsamte sich. Das ist irgendwie schade, denn das Momentum war toll. Aber dann ist es auch okay. Vielleicht sollte ich auch aufhören, 2025 zu sehr mit 2024 zu vergleichen und kann sagen: Ich bin glücklich und zufrieden mit meinem Blogjahr 2025.

Es war mir auch 2025 wieder eine Freude mit dir und euch in den Austausch zu treten. Freude über die bekannten Gesichter, aber auch Freude über neue Gesichter. Es hat sich alles sehr schön organisch entwickelt und es ist wirklich eine sehr angenehme und interessante Blognachbarschaft, in der ich bin. Ich bin gerne unterwegs in meinem Feedreader und lade auch gerne zu mir ein. Ich hoffe, dass das weiterhin so bleibt und inmitten der verrückten Welt (des Internets) dieses Fleckchen Wohlgefühl uns erhalten bleibt. Danke! 🐧

Und für 2026?

Tatsächlich ist es so, dass ich für dieses Jahr recht überraschend andere Freizeitaktivitäten reinbekommen habe, die mir wichtig sind und Priorität haben (ich wurde gefragt bei anderer Menschen Projekten zu unterstützen). Auf diese freue ich mich – gleichzeitig ist nicht klar, wie viel Zeit und Raum sie einnehmen und entsprechend von der Blogzeit „wegnehmen“ werden. Daher habe ich dieses Jahr gar nicht so viele Hummeln im Po wie letztes Jahr, was den Blog angeht, und gehe es geschmeidig an. Was ich in dem Zusammenhang also schön fände, wäre dass ich halbwegs regelmäßig was poste und weiterhin jeden Monat was von mir kommt.

Was ich angehen will, ist das Blogoutfit. Ich habe nicht mehr viel geändert seitdem ich den Blog 2021 ins Leben gerufen habe und so langsam finde ich es an einigen Stellen nicht mehr ganz rund. Dem äußeren Erscheinungsbild würde ich gern einen neuen Anstrich verpassen.

Das, was ich 2025 nicht geschafft habe, nehme ich mit in dieses Jahr: Ich versuche mich weiterhin daran, dedizierte Schreibzeiten zu haben, um Gedanken zu Ende zu denken. Fotografisch wünsche ich mir mehr Fotoserien / Fotoessays und hoffe, die Fotos aus dem Fotoprojekt 365 sichten und kuratieren zu können. Und was in den Bereich Wundertüte (weitere Hobbys) fällt, von denen ich hier gern mehr sehen will, sind: mehr Reparaturen and mehr Büchereien. Wobei ich mich bei beiden frage, wie das genau aussehen soll. Der Wunsch mehr zu zeigen ist da, aber in welcher Art und Weise ist mir noch ein kleines Rätsel.

Das war also meine kleine Wunschliste für das Blogjahr 2026 📜

Und damit: Aus die 🐭


Die gezeigten Fotos entstammen dem Fotoprojekt 365 und zeigen jeweils ein Foto des jeweiligen Monats. Aber es sind not meine Lieblinge des Monats (nur die Zweitlieblinge); die Lieblinge habe ich mir für den fotografischen Rückblick aufgespart 😀

Blogger’s life: Oktober + November 2025

OCTOBER

Vanilleeis war wow

What has happened

Oktober stand ganz im Sinne der Reisevorbereitung. Viel ging also nicht was den Blog betrifft. Zwischendrin hatte der Blog seinen 5. Geburtstag und es gab einen Geburtstagspost. Ich freue mich da immer drauf, dieses Jahr habe ich mir sogar die Mühe gemacht einen Kuchen zu backen!

Es ist schon witzig bis komisch, dass ein Bloggeburtstag gefeiert wird. Bei keinem anderen Hobby feiere ich den Jahrestag. Zum Einen hängt das bestimmt daran, dass ich bei anderen Hobbys das nicht so klar datieren kann wie beim Blog. Aber es ist auch unter Blogger:innen geläufiger als bei anderen Hobbys, den Jahrestag zu feiern. Und so habe ich mich dem angeschlossen und nutze den Geburtstag um dieses wunderschöne Hobby zu frönen. Und doch ist das eine bemerkenswerte Besonderheit des Bloggens.

What was posted

NOVEMBER

Sailor Moon im Flugzeug schauen hach

What has happened

Ich vergesse immer, dass ich nur zwei Wochen des Novembers im Urlaub war, die restlichen zwei Wochen war ich ja wieder zuhause. In den zwei Urlaubswochen ist folglich nicht viel passiert. Die Wochenlieblinge gingen brav online und das war’s. Ist jemandem aufgefallen, dass ich da die Frequenz schon erhöht habe ohne es anzukündigen? Sonst habe ich diese Angewohnheit das immer vorher anzukündigen. Außer vor dem Urlaub, da dachte ich, mache ich einfach mal à la show, don’t tell ^^

In der zweiten Hälfte des Monats akklimatisierte ich mich wieder an den Alltag, inkl. Hobbys. Zum Ende November hin habe ich es weitestgehend geschafft. Am Post über die fotografischen Erkenntnisse aus der Japan-Reise 2023 wollte ich sogar während meiner Reise arbeiten, da der Text schon recht weit war. Zur Unterhaltung während der Flugzeit etwa. Zu spät merkte ich, dass ich keinen Zugriff auf meine Fotos hatte, die meine Erkenntnisse unterstützten sollten. Und so machte ich das erst als ich wieder zurück war.

What was posted

Drei fotografische Erkenntnisse aus der Japan-Reise 2023

My Japanreise 2023 hat für mich auch eine besondere Rolle hinsichtlich meiner fotografische „Biografie“ eingenommen. Es gab drei fotografische Erkenntnisse, die ich mit dieser Japanreise verbinde.

Alle gezeigten Fotos kannst du anklicken und vergrößern.

(1) Der Fokus der Kamera stimmt nicht!?

Anfangs wollte ich schreiben, dass einer meiner Lehren war, niemals eine Kamera mitzunehmen, die ich gar nicht kenne. Aber das stimmt gar nicht. Ich kannte die Kamera, aber eben nur sehr flüchtig. Erst auf der Reise merkte ich, dass die Kamera Mängel hatte…

Es war Tag 1 unserer gesamten Reise, wir waren in Kyoto unterwegs. Ich hatte meine Filmkamera dabei, die Minolta 9000. Irgendwann merkte ich, dass ich nicht im Unendlichen fokussieren konnte. Objekte, die also in weiter Entfernung zu mir waren, wurden nicht scharf. Das konnte eigentlich nicht sein. Die Unendlichkeit ist immer irgendwann scharf. Was war falsch?

Diese gebrauchte Kamera war der letzte Neuzugang, aber ich hatte die Kamera vor dem Urlaub noch in Deutschland getestet. Der photo fail., mit dem ich zu kämpfen hatte, hatte eine ganz andere Ursache und letztendlich sahen die Fotos für mich okay aus (habe nur zwei auf dem Blog gezeigt) und deshalb entschied ich mich dazu, die Kamera tatsächlich mitzunehmen. Als ich nun in Japan war, versuchte ich zu überlegen woran es liegen könnte. Das Objektiv selbst stellte ich nicht infrage. Lag das Objektiv komisch auf? War irgendwas an der Distanz komisch? Ich kam nicht drauf, weshalb ich nicht ins Unendliche fokussieren konnte.

Das Problem und wie weitermachen?

Das Problem, das sich daraus ableitete: Kann ich dem Fokus überhaupt noch trauen? Wenn ich weiß, dass ein Objekt in weiter Ferne auf der Einstellung unendlich eigentlich scharf sein sollte und es not ist, musste ich jede Scharfstellung infrage stellen. Eigentlich war meine analoge Fotoausrüstung für die Tonne und so fühlte ich mich auch.

Phew. Die Wut und der Frust waren groß. Ich saß am Abend im Hotelzimmer, probierte hin und her, in der Hoffnung, dass irgendwas sich verbessern würde. Hoffte, dass irgendwo irgendetwas war, das ich nur wegwischen musste und dann wäre alles wieder perfekt. Oder dass ich zu doof war, um das Objektiv richtig an der Kamera zu befestigen (als ob ich das nicht schon zigmal gemacht hätte). Und das an Tag 1 unserer dreiwöchigen Reise.

Was wollte ich nun tun? Der Film war eingelegt und Zeit für eine alternative Kamera wollte ich mir nicht nehmen (das wäre in Japan durchaus eine Option, da der Gebrauchtmarkt für Filmkameras wohl ganz gut sein soll). Das hieß, entweder die oder keine Kamera. Oder einfach not fotografieren, weil out of focus-Fotos sind ja auch blöd?!
Ich entschied: Trotzdem Fotos machen und schauen was rauskommt. Denn wenn ich gar nicht fotografieren würde, dann gäbe es gar keine Chance auf irgendwelche Fotos.

Eine Sache wusste ich, die beim Fotografieren helfen würde: Wenn ich auf unendlich fokussiere, wird das gemachte Foto am Ende scharf sein, auch wenn ich es nicht scharf sehe (Prinzip 1). Alles was näher dran war, konnte ich nur auf gut Glück fokussieren. Das heißt, wenn ich das Bild durch den Sucher scharf sah, habe ich minimal ins Unscharfe gedreht und dann abgedrückt (Prinzip 2). Und gehofft, dass ich damit den realen Schärfepunkt erreicht habe.

Die Fotos jetzt mit einem anderen Blick betrachten

Ich habe meine analogen Fotos aus Japan nochmal durchgesehen, um zu prüfen, welche Art Fotos ich auf dieser Reise letztlich gemacht habe. Viele Fotos haben tatsächlich ihren Schärfepunkt weit weg von mir, das heißt, dass ich Prinzip 1 anwenden konnte und so sind die Fotos auch scharf. Ich probierte mich aber auch an Objekten, die not unendlich weit weg waren. Und es gibt immerhin paar Fotos, die ihren Fokus dort haben, wo ich ihn auch haben wollte. Zu diesen Fotos gehören die bemooste Steinlaterne, die Koi-Karpfen und der Krebs. Ich kann es wirklich nicht fassen, dass sie so aussehen wie sie es eben tun. Wenn ich diese Fotos mit diesem Blick und Wissen betrachte, bin ich fast doppelt stolz 🤯

Auf der anderen Seite gibt es etliche Fotos, die ihren Fokuspunkt nicht da haben, wo sie hätten sein sollen. Einige Fotos hatte ich in den Posts mit analogen Fotos aus Japan gezeigt, andere wiederum nicht:

Gelernt und mitgenommen

Trotzdem fotografieren und eine Chance geben, dass ein gutes Foto entstehen kann. Das Beste aus den Bedingungen machen. Bloß weil ich nicht die Idealbedingungen habe, heißt es nicht, dass daraus nichts Interessantes/Gutes entstehen kann. Wenn man es optimistisch betrachtet, könnte man auch sagen: Die Grenzen werden die Kreativität fördern – wobei das der letzte Satz wäre, den ich in der Situation zu hören gewollt hätte 😀

Der Testfilm

Im Nachhinein frage ich mich, warum es mir nicht in Deutschland mit meiner Testrolle aufgefallen war, dass etwas nicht stimmte. Ich habe auch meine Testrolle nochmal durchgesehen – und siehe da, alle Fotos mit Objekten in meiner Nähe sind unscharf. Das muss ich auch damals schon bemerkt haben, habe das aber wohl auf mich und meine Unfähigkeit zurückgeführt und nicht auf einen möglichen Mangel an der Kamera (auch eine interessante Erkenntnis!). Außerdem habe ich bei der Testrolle vor allem Fotos von Objekten in meiner Nähe gemacht. In Japan ist es mir nur aufgefallen, weil ich etwas in der Ferne fokussiert habe und es dann unscharf war. Deshalb fiel es mir eben erst in Japan auf und nicht schon in Deutschland.

Die Ursache des Fehlers

Die Kamera habe ich zum Fachmann gebracht und er zeigte mir woran es lag: Der Spiegel in der Kamera saß locker statt fest gespannt an Ort und Stelle und verursachte diesen optischen Fehler durch den Sucher. Auf Empfehlung des Fachmanns ließ ich keine Reparatur durchführen, es lohne sich nicht mehr finanziell gesehen (für mich) und die Ersatzteile gäbe es nicht mehr.

~

(2) Mein fotografischer Blick wird gewürdigt

Im Gegensatz dazu, gibt es eine schöne Erinnerung aus dem Garten in Kanazawa.

Von einem „Hügelchen“ ging es auf Stufen wieder hinunter, einen Weg entlang. Links und rechts vom Weg erstreckte sich das weiche Moos. Und vielleicht lag da noch mehr, das ich jetzt nicht mehr nachvollziehen kann. Als ich mich umblickte, befand ich das vor mir liegende Bild als fotografierenswert. Aber damit war ich alleine. Die Menschen liefen vorbei und weiter und ich fühlte mich ein klein wenig unbehaglich wie ich da stand und das Moos fotografierte. Aber mich faszinierte die Szene wirklich, so nahm ich mir die Zeit, um ein Foto zu machen.

Und irgendwann blieb ein Mann stehen und wollte sehen, was ich da sehe. Ich kenne das gut, manchmal frage ich mich auch, was die Menschen in ihrem Sucher wohl gerade sehen. Dann nickte er und sagte so etwas wie: Gut gesehen. Er positionierte ebenso seine Kamera und machte ein Foto von dem Bild das nun vor uns beiden lag. Er bedankte sich und ging weiter.

Dieser Kommentar war so wertvoll für mich, weil mir jemand sagte, dass ich etwas Schönes gesehen hatte, was man nicht auf den ersten Blick als solches erkennt. Dass er es mir nachmachte, war für mich ebenso eine Würdigung, dass dieses Motiv es wert war, die Kamera anzusetzen. Es geht dabei gar nicht darum, ob ein Motiv für jeden hätte wertvoll sein sollen. Auch wenn ich für mich fotografiere, so ist es auch immer wieder schön, eine Bestätigung von außen zu bekommen. Und so ein Moment war das. Diesen Moment habe ich mitgenommen.

Das Foto selbst ist leider nichts geworden, wie du unten siehst. Das Foto ist massiv unterbelichtet und da ist nichts zu holen. Ich habe dem Foto mit einem Fotobearbeitungsprogramm Licht gegeben, trotzdem erkenne ich nur noch den Zaun links oben und die Moos-bedeckten Steine kann ich nur erahnen zwischen minimal helleren und komplett schwarzen Bereichen (waren stufenartig angeordnet). Rechts oben sehen wir noch ein bisschen Licht, das durch die Blätter hindurch scheint. Was der rote Lichtpunkt ist, weiß ich bis heute nicht. Ich glaube das war ein „Experimentalfilm“ und daher rührt dieser kreative Outburst.

Mehr ist nicht drin im Foto. Das bringt mich dann zu meiner dritten fotografischen Erkenntnis der Japanreise.

~

(3) Meine Belichtungsfähigkeiten sind ausbaufähig

Das ist eine Erkenntnis, die ich erst hatte als ich wieder in Deutschland war, aber hat mit allen meinen Fotos zu tun, die ich in Japan gemacht habe. Ich hatte fotografisch gesehen große Erwartungen an die Japanreise und mich. Einereseits hatte ich in den Monaten zuvor zu viele schöne analoge Fotos von Japan gesehen und ich war entsprechend versessen darauf, ebensolche selbst aus Japan mitzubringen. Andererseits besucht man Japan nicht alle Tage, da wirkt es noch dringender, dass die Fotos, die man macht, sitzen. Tja, das taten viele meiner Fotos nicht. Einerseits hatte ich ja das Fokussierproblem. Und dann kam dazu, dass ich einfach nicht gut belichtete.

Bis dahin hatte ich nur die Sunny 16-Regel genutzt, um die Belichtung einzustellen, und das ist mehr eine Daumenregel als mit gemessenen Daten zu arbeiten. Manchmal wurde ich faul und wendete sogar diese Regel nicht an, stattdessen fotografierte ich nach Bauchgefühl . Wie ich bereits in einem anderen Post beschrieb, war (und bin) ich weit davon entfernt aus dem Bauchgefühl heraus zu fotografieren zu können. Ich hatte diese Vorstellung, dass ich anstreben sollte keinen Belichtungsmesser zu benutzen… Und vielleicht sollte das nicht mein Ziel sein?

Ich habe auf die harte Weise gelernt, dass das nicht die beste Idee war. Der dritte Film (von dreien) war bis auf eine Handvoll Fotos extrem unterbelichtet. Und auch bei den ersten zwei Filmen hatte ich einige unterbelichtete Fotos. Bei insgesamt 40 % meiner Fotos bin ich nicht zufrieden mit der Belichtung.
Wenn ich schon ohne Belichtungsmesser fotografieren will, dann sollte ich wenigstens das beachten: Viel mehr Licht drauf geben.

Nachdem ich die Ausbeute meiner Fotos nach der Reise sah, entschied ich mich, dass ich mich nochmal mit Belichtung beschäftigen wollte. Ich wollte nicht wieder auf Reisen gehen und unterbelichtete Fotos mitbringen. Die Lösung war nicht schwer: Belichtungsmesser nutzen. Was aber genau zu messen ist, das musste ich selbst entscheiden. Ich hörte in Podcasts wie andere es tun. Ein wichtiger Punkt auf meinem Lernweg war meine Auseinandersetzung mit dem Zonenkonzept nach Ansel Adams im März 2024 auf Madeira.

Das Ergebnis dieser Entscheidung und dem Lernen zeigten sich dann 2024, angefangen bei den Madeira-Fotos bis hin zu den Fotos meiner Vietnamreise (wo ich vieles noch nicht gezeigt habe) und alles was dazwischen fotografiert wurde: Es waren definitiv mehr Fotos, die mir von der Belichtung her gefielen.

Insgesamt war 2024 ein gutes fotografisches Jahr für mich. Einiges hat es bestimmt den fotografischen Erkenntnissen während der Japanreise zu verdanken. Mit einigen meiner Lieblinge aus 2024 schließe ich diesen Artikel: