Drei fotografische Erkenntnisse aus der Japan-Reise 2023

My Japanreise 2023 hat für mich auch eine besondere Rolle hinsichtlich meiner fotografische „Biografie“ eingenommen. Es gab drei fotografische Erkenntnisse, die ich mit dieser Japanreise verbinde.

Alle gezeigten Fotos kannst du anklicken und vergrößern.

(1) Der Fokus der Kamera stimmt nicht!?

Anfangs wollte ich schreiben, dass einer meiner Lehren war, niemals eine Kamera mitzunehmen, die ich gar nicht kenne. Aber das stimmt gar nicht. Ich kannte die Kamera, aber eben nur sehr flüchtig. Erst auf der Reise merkte ich, dass die Kamera Mängel hatte…

Es war Tag 1 unserer gesamten Reise, wir waren in Kyoto unterwegs. Ich hatte meine Filmkamera dabei, die Minolta 9000. Irgendwann merkte ich, dass ich nicht im Unendlichen fokussieren konnte. Objekte, die also in weiter Entfernung zu mir waren, wurden nicht scharf. Das konnte eigentlich nicht sein. Die Unendlichkeit ist immer irgendwann scharf. Was war falsch?

Diese gebrauchte Kamera war der letzte Neuzugang, aber ich hatte die Kamera vor dem Urlaub noch in Deutschland getestet. Der photo fail., mit dem ich zu kämpfen hatte, hatte eine ganz andere Ursache und letztendlich sahen die Fotos für mich okay aus (habe nur zwei auf dem Blog gezeigt) und deshalb entschied ich mich dazu, die Kamera tatsächlich mitzunehmen. Als ich nun in Japan war, versuchte ich zu überlegen woran es liegen könnte. Das Objektiv selbst stellte ich nicht infrage. Lag das Objektiv komisch auf? War irgendwas an der Distanz komisch? Ich kam nicht drauf, weshalb ich nicht ins Unendliche fokussieren konnte.

Das Problem und wie weitermachen?

Das Problem, das sich daraus ableitete: Kann ich dem Fokus überhaupt noch trauen? Wenn ich weiß, dass ein Objekt in weiter Ferne auf der Einstellung unendlich eigentlich scharf sein sollte und es not ist, musste ich jede Scharfstellung infrage stellen. Eigentlich war meine analoge Fotoausrüstung für die Tonne und so fühlte ich mich auch.

Phew. Die Wut und der Frust waren groß. Ich saß am Abend im Hotelzimmer, probierte hin und her, in der Hoffnung, dass irgendwas sich verbessern würde. Hoffte, dass irgendwo irgendetwas war, das ich nur wegwischen musste und dann wäre alles wieder perfekt. Oder dass ich zu doof war, um das Objektiv richtig an der Kamera zu befestigen (als ob ich das nicht schon zigmal gemacht hätte). Und das an Tag 1 unserer dreiwöchigen Reise.

Was wollte ich nun tun? Der Film war eingelegt und Zeit für eine alternative Kamera wollte ich mir nicht nehmen (das wäre in Japan durchaus eine Option, da der Gebrauchtmarkt für Filmkameras wohl ganz gut sein soll). Das hieß, entweder die oder keine Kamera. Oder einfach not fotografieren, weil out of focus-Fotos sind ja auch blöd?!
Ich entschied: Trotzdem Fotos machen und schauen was rauskommt. Denn wenn ich gar nicht fotografieren würde, dann gäbe es gar keine Chance auf irgendwelche Fotos.

Eine Sache wusste ich, die beim Fotografieren helfen würde: Wenn ich auf unendlich fokussiere, wird das gemachte Foto am Ende scharf sein, auch wenn ich es nicht scharf sehe (Prinzip 1). Alles was näher dran war, konnte ich nur auf gut Glück fokussieren. Das heißt, wenn ich das Bild durch den Sucher scharf sah, habe ich minimal ins Unscharfe gedreht und dann abgedrückt (Prinzip 2). Und gehofft, dass ich damit den realen Schärfepunkt erreicht habe.

Die Fotos jetzt mit einem anderen Blick betrachten

Ich habe meine analogen Fotos aus Japan nochmal durchgesehen, um zu prüfen, welche Art Fotos ich auf dieser Reise letztlich gemacht habe. Viele Fotos haben tatsächlich ihren Schärfepunkt weit weg von mir, das heißt, dass ich Prinzip 1 anwenden konnte und so sind die Fotos auch scharf. Ich probierte mich aber auch an Objekten, die not unendlich weit weg waren. Und es gibt immerhin paar Fotos, die ihren Fokus dort haben, wo ich ihn auch haben wollte. Zu diesen Fotos gehören die bemooste Steinlaterne, die Koi-Karpfen und der Krebs. Ich kann es wirklich nicht fassen, dass sie so aussehen wie sie es eben tun. Wenn ich diese Fotos mit diesem Blick und Wissen betrachte, bin ich fast doppelt stolz 🤯

Auf der anderen Seite gibt es etliche Fotos, die ihren Fokuspunkt nicht da haben, wo sie hätten sein sollen. Einige Fotos hatte ich in den Posts mit analogen Fotos aus Japan gezeigt, andere wiederum nicht:

Gelernt und mitgenommen

Trotzdem fotografieren und eine Chance geben, dass ein gutes Foto entstehen kann. Das Beste aus den Bedingungen machen. Bloß weil ich nicht die Idealbedingungen habe, heißt es nicht, dass daraus nichts Interessantes/Gutes entstehen kann. Wenn man es optimistisch betrachtet, könnte man auch sagen: Die Grenzen werden die Kreativität fördern – wobei das der letzte Satz wäre, den ich in der Situation zu hören gewollt hätte 😀

Der Testfilm

Im Nachhinein frage ich mich, warum es mir nicht in Deutschland mit meiner Testrolle aufgefallen war, dass etwas nicht stimmte. Ich habe auch meine Testrolle nochmal durchgesehen – und siehe da, alle Fotos mit Objekten in meiner Nähe sind unscharf. Das muss ich auch damals schon bemerkt haben, habe das aber wohl auf mich und meine Unfähigkeit zurückgeführt und nicht auf einen möglichen Mangel an der Kamera (auch eine interessante Erkenntnis!). Außerdem habe ich bei der Testrolle vor allem Fotos von Objekten in meiner Nähe gemacht. In Japan ist es mir nur aufgefallen, weil ich etwas in der Ferne fokussiert habe und es dann unscharf war. Deshalb fiel es mir eben erst in Japan auf und nicht schon in Deutschland.

Die Ursache des Fehlers

Die Kamera habe ich zum Fachmann gebracht und er zeigte mir woran es lag: Der Spiegel in der Kamera saß locker statt fest gespannt an Ort und Stelle und verursachte diesen optischen Fehler durch den Sucher. Auf Empfehlung des Fachmanns ließ ich keine Reparatur durchführen, es lohne sich nicht mehr finanziell gesehen (für mich) und die Ersatzteile gäbe es nicht mehr.

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(2) Mein fotografischer Blick wird gewürdigt

Im Gegensatz dazu, gibt es eine schöne Erinnerung aus dem Garten in Kanazawa.

Von einem „Hügelchen“ ging es auf Stufen wieder hinunter, einen Weg entlang. Links und rechts vom Weg erstreckte sich das weiche Moos. Und vielleicht lag da noch mehr, das ich jetzt nicht mehr nachvollziehen kann. Als ich mich umblickte, befand ich das vor mir liegende Bild als fotografierenswert. Aber damit war ich alleine. Die Menschen liefen vorbei und weiter und ich fühlte mich ein klein wenig unbehaglich wie ich da stand und das Moos fotografierte. Aber mich faszinierte die Szene wirklich, so nahm ich mir die Zeit, um ein Foto zu machen.

Und irgendwann blieb ein Mann stehen und wollte sehen, was ich da sehe. Ich kenne das gut, manchmal frage ich mich auch, was die Menschen in ihrem Sucher wohl gerade sehen. Dann nickte er und sagte so etwas wie: Gut gesehen. Er positionierte ebenso seine Kamera und machte ein Foto von dem Bild das nun vor uns beiden lag. Er bedankte sich und ging weiter.

Dieser Kommentar war so wertvoll für mich, weil mir jemand sagte, dass ich etwas Schönes gesehen hatte, was man nicht auf den ersten Blick als solches erkennt. Dass er es mir nachmachte, war für mich ebenso eine Würdigung, dass dieses Motiv es wert war, die Kamera anzusetzen. Es geht dabei gar nicht darum, ob ein Motiv für jeden hätte wertvoll sein sollen. Auch wenn ich für mich fotografiere, so ist es auch immer wieder schön, eine Bestätigung von außen zu bekommen. Und so ein Moment war das. Diesen Moment habe ich mitgenommen.

Das Foto selbst ist leider nichts geworden, wie du unten siehst. Das Foto ist massiv unterbelichtet und da ist nichts zu holen. Ich habe dem Foto mit einem Fotobearbeitungsprogramm Licht gegeben, trotzdem erkenne ich nur noch den Zaun links oben und die Moos-bedeckten Steine kann ich nur erahnen zwischen minimal helleren und komplett schwarzen Bereichen (waren stufenartig angeordnet). Rechts oben sehen wir noch ein bisschen Licht, das durch die Blätter hindurch scheint. Was der rote Lichtpunkt ist, weiß ich bis heute nicht. Ich glaube das war ein „Experimentalfilm“ und daher rührt dieser kreative Outburst.

Mehr ist nicht drin im Foto. Das bringt mich dann zu meiner dritten fotografischen Erkenntnis der Japanreise.

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(3) Meine Belichtungsfähigkeiten sind ausbaufähig

Das ist eine Erkenntnis, die ich erst hatte als ich wieder in Deutschland war, aber hat mit allen meinen Fotos zu tun, die ich in Japan gemacht habe. Ich hatte fotografisch gesehen große Erwartungen an die Japanreise und mich. Einereseits hatte ich in den Monaten zuvor zu viele schöne analoge Fotos von Japan gesehen und ich war entsprechend versessen darauf, ebensolche selbst aus Japan mitzubringen. Andererseits besucht man Japan nicht alle Tage, da wirkt es noch dringender, dass die Fotos, die man macht, sitzen. Tja, das taten viele meiner Fotos nicht. Einerseits hatte ich ja das Fokussierproblem. Und dann kam dazu, dass ich einfach nicht gut belichtete.

Bis dahin hatte ich nur die Sunny 16-Regel genutzt, um die Belichtung einzustellen, und das ist mehr eine Daumenregel als mit gemessenen Daten zu arbeiten. Manchmal wurde ich faul und wendete sogar diese Regel nicht an, stattdessen fotografierte ich nach Bauchgefühl . Wie ich bereits in einem anderen Post beschrieb, war (und bin) ich weit davon entfernt aus dem Bauchgefühl heraus zu fotografieren zu können. Ich hatte diese Vorstellung, dass ich anstreben sollte keinen Belichtungsmesser zu benutzen… Und vielleicht sollte das nicht mein Ziel sein?

Ich habe auf die harte Weise gelernt, dass das nicht die beste Idee war. Der dritte Film (von dreien) war bis auf eine Handvoll Fotos extrem unterbelichtet. Und auch bei den ersten zwei Filmen hatte ich einige unterbelichtete Fotos. Bei insgesamt 40 % meiner Fotos bin ich nicht zufrieden mit der Belichtung.
Wenn ich schon ohne Belichtungsmesser fotografieren will, dann sollte ich wenigstens das beachten: Viel mehr Licht drauf geben.

Nachdem ich die Ausbeute meiner Fotos nach der Reise sah, entschied ich mich, dass ich mich nochmal mit Belichtung beschäftigen wollte. Ich wollte nicht wieder auf Reisen gehen und unterbelichtete Fotos mitbringen. Die Lösung war nicht schwer: Belichtungsmesser nutzen. Was aber genau zu messen ist, das musste ich selbst entscheiden. Ich hörte in Podcasts wie andere es tun. Ein wichtiger Punkt auf meinem Lernweg war meine Auseinandersetzung mit dem Zonenkonzept nach Ansel Adams im März 2024 auf Madeira.

Das Ergebnis dieser Entscheidung und dem Lernen zeigten sich dann 2024, angefangen bei den Madeira-Fotos bis hin zu den Fotos meiner Vietnamreise (wo ich vieles noch nicht gezeigt habe) und alles was dazwischen fotografiert wurde: Es waren definitiv mehr Fotos, die mir von der Belichtung her gefielen.

Insgesamt war 2024 ein gutes fotografisches Jahr für mich. Einiges hat es bestimmt den fotografischen Erkenntnissen während der Japanreise zu verdanken. Mit einigen meiner Lieblinge aus 2024 schließe ich diesen Artikel:

I'm learning how to expose - Station 2: light meter

Station 1: Sunny 16

Station 1 on my way to learning how to expose is, in retrospect, understanding the Sunny 16 rule. This whole thing about exposure was never thought in stages and stations – I thought Sunny 16 and that's it. How I ended up here anyways:

After I learnt about the Sunny 16 rule, I worked with it for quite a while. But I became a bit lazier (or more willing to experiment, depending on the perspective). I photographed more according to my gut feeling and less with the rule itself, applying it not as clean as before.

However, the results and yield of the last few films with the more-or-less Sunny 16 rule/with my gut feeling were disillusioning and I was dissatisfied. My gut feeling was not yet ready and the wealth of experience was not great enough.

I was stuck and needed to change something. Therefore, ...

Station 2: Light meter

For other photographers, it is probably the most obvious choice, but I resisted for a while until the decision was made: I will use a light meter. Instead of estimating the light myself, I had it measured and got the result spit out. The device was quickly found: I got an app on my mobile phone. (Why? I didn't get along with the internal light meter on my camera).

And then?

How do I use the light meter?

I had heard a lot about how and on what to expose. There were all kinds of ways to do. Do I want to expose on the shadow or rather on the object? On box speed or +/-1? Many questions and the answers did hide from me. There was nothing left to me than: trial and error. Trying out the methods and see how much I like the results.

My first approach was to expose on the object at box speed. Then I got distracted by Madeira: the zone system according to Ansel Adams. I had heard about it often but never understood it. On holiday I had the time and motivation to watch various videos about it and at some point I actually understood it more or less. Subsequently, so I measured up to three spots - one bright, one dark spot and my subject - to decide what to set the settings to, eventually. And I think I did pretty well with this method. The first results can be found in my series about Madeira .

How is it going?

Since then I've been using the light meter app. But here, too, I became sloppy and don't do the measurements as clean as I did in the beginning on Madeira. But it works.

Overall, I'm quite slow when it comes to taking photos: take the measurement(s), decide, adjust, take the photo. And very important, as I take analogue photos: note down the settings used and also what was measured. For analyses if I ever want to do one.

My goal is to become a bit quicker. I don't know how to achieve that. Maybe it's a question of time and numbers of films I've shot, leading to wealth of experience and my gut feeling becoming more trustworthy.


Camera + lens: Minolta 9000 AF + Minolta AF 50 mm f/1.4
Film: AGFAPHOTO APX100
Development + scan: ON FILM LAB

Madeira 2024 #3 | On film: A curtain and learning exposure

(Click on the image to see it as a whole)

This picture tells two stories:

One story is reminiscent of the sickbed we had set up. We had managed to get something gastrointestinal-related and were therefore confined to bed for a few days. We had no strength for more. Drinking and broth soup was everything that was feasible.

The other story, and this is my personal beautiful story, is having a lot of time. Between periods of tiredness and slumber, I felt like getting involved in the subject of exposure. At that point, I had already decided for some time - several weeks, maybe months - to dive into the topic exposure, or rather how I measure it and set it "the right way". While my first experience was the Sunny 16 rule , I decided to move away from the rule of thumb and towards the light meter. At the very beginning I was lost; honestly speaking, I have never really bothered with metering methods. And that day, lying in bed, I thought I'd use the time to try out the zone system. I had read about it several times but never understood it. YouTube was the medium of choice and after two or three videos I roughly understood the concept.

And the curtain? In my memory, this is the first picture where I had understood the zone system. My personal achievement...

stop stop!

I have to correct myself. After comparing various time stamps (video history, dates of the images), this image of the curtain was not the first picture where I had understood and applied the zone system. That was a few days earlier and a few pictures before that.

The truth: I learnt to understand the zone system back in my healthy days, just before the gastrointestinal fuss came over me. During the sick days, I really only napped and rested. Even if my memory was playing tricks on me, one thing was good and really happened: The curtain picture was the first picture after being ill that I took using the zone system.

One other thing I am very sure about beside all these half-true memories: I learnt and understood the zone system in this very room, with these curtains. This is true.


#1: Intro | #2: São Lourenço | #3: A curtain and learning exposure | #4: The blue of Porto Moniz | #5: Cliff | #6: Green hangings | #7: moody mist | #8: On the roads of Camacha | #9: On the roads of Calheta | #10: The house on the big hill | #11: Colourful row of houses in Lisbon | #12: My impression of Madeira and Lisbon


Camera + lens: Minolta Dynax 7000i + Minolta AF 50 mm f/1.4
Film: Kodak Gold 200
Development + scan: ON FILM LAB