Vietnamesische Sprache und Schrift – ein kleiner Exkurs
Als ich die Posts über meine Vietnamreise 2024 schrieb, habe ich mich dazu entschieden, die vietnamesischen Wörter richtig und mit den Zeichen zu schreiben. Da kam mir auch: Vielleicht kann ich ja mal was über die vietnamesische Schrift und Sprache erzählen? Nicht, weil andere es nicht getan haben oder ich es besonders gut kann. Aber ich glaube, dass vietnamesisch nicht so eine relevante Sprache ist, dass man viel über sie weiß. Und ich habe schon häufig das Gleiche erzählt und erklärt, weil ich häufig das Gleiche gefragt wurde. Also gebe ich dieser Sprache und Schrift mal ein paar Minuten Aufmerksamkeit auf meinem Blog.
1: eine Tonsprache
Vietnamesisch ist eine Tonsprache. Das heißt, je nachdem wie du eine Buchstabenkombination aussprichst, ergibt das ein anderes Wort/andere Bedeutung. Im Vietnamesischen gibt es insgesamt sechs Töne. Welche das genau sind, erzähle ich gleich weiter unten. Denn du wirst sie lesen können. Und ein Hörbeispiel gibt’s auch mit dazu. Nicht jede dieser sechs Aussprachen ist auch tatsächlich ein Wort mit Bedeutung. Es kann sein, dass zwei von den sechs Tönen der Buchstabenkombination tatsächlich eine Bedeutung haben, die anderen sind reine Fantasiewörter. Andere bekannte Tonsprachen sind Mandarin und Thai.
Ich habe schon öfters gehört, wenn ich mal die Töne einem:r Deutsch-Muttersprachler:in vorgesprochen habe, dass die Person die Töne und den Unterschied am Anfang nicht heraushört. Auch wenn diese Tatsache nachvollziehbar ist, weil Ohr und Hirn die Töne nicht kennen und (noch) nicht verarbeiten können, so war ich die ersten Male erstaunt. Denn für mich waren die Töne offensichtlich, ich konnte sie nicht not heraushören. Aber ganz klar: es ist erlernbar. Es braucht Zeit und Übung, aber ich weiß aus meinem Bekanntenkreis, dass das möglich ist. Es ist hart, aber möglich.
2: lateinisches Alphabet
Die vietnamesische Schrift basiert auf dem lateinischen Alphabet. Es gibt kein eigenes Schriftsystem, also keine Schriftzeichen wie im Chinesischen oder eigenes Schriftsystem wie das Koreanische oder Thai. Es gab mal ein eigenes Schriftsystem mit Schriftzeichen, aber das kenne ich nur aus Erzählungen von meinem Vater. Mit deutsch als Ausgangssprache ist das Erlernen in der Hinsicht einfacher als andere (südost)asiatische Sprachen, da man kein anderes Schriftsystem lernen muss.
In vielen Buchstabenaussprachen sind sich deutsch und vietnamesisch gemein. Das macht das Lernen der Buchstaben einfach(er). Einige Buchstaben gibt es nicht, etwa das f oder das z (und die Umlaute und das ß – offensichtlich). Gleichzeitig hat das vietnamesische Alphabet andere Buchstaben im Vergleich zum deutschen Alphabet. Dazu zählen Buchstaben, die äußerlich schon mal anders aussehen, weil sie mit einem diakritischen Zeichen versehen sind, wie das đ or ơ (ein anderer Vokal als o). Außerdem gibt es einige Buchstabenkombinationen, die einen eigenen Ton ergeben – darunter fallen gi (wird je nach Region wie ein stummhaftes s or j ausgeprochen) oder tr (tsch).
Diakritische Zeichen
Ein diakritisches Zeichen ist „an Buchstaben angebrachte kleine Zeichen wie Punkte, Striche, Häkchen, Bögen oder Kreise“, wie die Wikipedia sagt [2]. Wie oben schon kurz erwähnt, werden diese auch genutzt, um Buchstaben zu formen. Ich habe hier mal alle vietnamesischen Buchstaben mit diakritischen Zeichen herausgeschrieben:

Ich sage „auch genutzt“ , weil die (für mich) interessantere Anwendung der diakritischen Zeichen bei der Darstellung der Tönen liegt.
Darstellung der Töne
Da sind wir also, bei den Tönen! Um die Töne (siehe 1) darzustellen, werden diakritische Zeichen genutzt, die am Vokal positioniert werden. Im Vietnamesischen werden fünf Diakritika dafür genutzt. Aber warte – vietnamesisch hat doch sechs Töne!? Jup, richtig. Einer der sechs Töne wird dargestellt, indem er kein Diakritika hat. Hier mal am Beispiel vom Buchstaben a. Und ja, jedes dieseras wird anders ausgesprochen.

Um zu beschreiben, wie die Töne ausgesprochen werden, verzichte ich auf eine schriftliche Beschreibung und verweise auf ein Video. Aber schon mal vorab: Die Zeichen geben schon einen Hinweis auf den Tonverlauf. Hier das Hör- und Lesebeispiel am Buchstaben a für die Töne (YouTube Video): Vietnamesisch lernen – Die Töne.
3: Drei Hauptdialekte
Eigentlich wollte ich nur die zwei Punkte „Tonsprache“ und „lateinisches Alphabet“ erwähnen und erläutern. Beim Raussuchen des Hörbeispiels ist mir jedoch noch eine Sache aufgefallen, die ich hier kurz anreißen will.
Es gibt drei Hauptdialekte im Vietnamesischen: den nord-, zentral- und südvietnamesischen Dialekt. Und der Dialekt ist im Vietnamesischen viel mehr ein Thema, und nicht nur ein Nebenthema wie etwa im Deutschen oder Englischen. Ich kann es gar nicht richtig beschreiben, was es genau oder warum es so ist, aber wenn man vietnamesisch lernen will, ist einer der ersten Fragen: Welchen Dialekt willst du lernen?
Tiefer soll es gar nicht gehen, aber ich wollte das erwähnen, weil ich selbst nordvietnamesisch spreche und entsprechend ein nordvietnamesisches Hörbeispiel (siehe oben) herausgesucht habe.
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Was ich noch loswerden will: In meinen bisherigen Posts (urlauben, essen) habe ich also keine Umschreibung ins lateinische Alphabet gemacht, sondern es ist das Original. Ist das nicht toll? 😀
Und nun bin ich gespannt, wenn du dir das Hörbeispiel angehört (angeschaut) hast: Hast du einen Unterschied raushören können? Hier nochmal der Link zum Hörbeispiel: Vietnamesisch lernen – Die Töne.
Quellen: Diverse Wikipediaartikel










