Zwischen Essensgängen saßen wir in Cafés und genossen das Leben bei vietnamesischem Kaffee. Während es bei der Familie starken, grünen Tee gibt, findet man auf den Straßen viele Cafés. Ich bin bei dieser Reise auf den Geschmack von bạc xỉu gekommen – und um mich zu zitieren: „Ein Kaffee aus drei Zutaten: gesüßte Kondensmilch, Milch (aufgeschäumt oder auch nicht) und Kaffee (natürlich)„. Eigentlich habe ich bei jedem Cafébesuch so einen Kaffee bestellt, eisgekühlt – auch noch Ende Oktober/Anfang November.
Neben dieser Kaffeespezialität, die ursprünglich aus Sài Gòn (Hô-Chi-Minh-Stadt) kommt, gibt es den weniger aufgeregten, dennoch nicht minder leckeren schwarzen Kaffee or Kaffee mit (Kondens)Milch. Dagegen versprechen der salted coffee or egg coffee mehr Abenteuer und erfordern ein bisschen Mut beim Bestellen.
Kaffee trinken ist auf jeden Fall ein Ding in Việt Nam. Cafés gibt es wie Sand am Meer und in den verschiedensten Ausführungen: sie reichen von fancy schmancy Interior, Darreichung in minimalistischen Gläsern und Lo-Fi Musik im Hintergrund zu funktional am Straßenrand mit ein paar halbhohen bunten Plastikstühlen, dem Getränk aus dem Plastikbecher und Straßenverkehr als Hintergrundmusik. An Kaffee kommt man also immer. Ich träume immer noch von einem Caféhopping, obwohl ich so viel Kaffee gar nicht trinken kann. Eigentlich trinke ich gar keinen Kaffee im Alltag, ich bin Teetrinkerin. Aber für die vietnamesische Kaffee- und Cafékultur habe ich gern eine Ausnahme gemacht.
Da ist es, das wunderschöne Getränk (Foto 2+3): bạc xỉu.
Ich erzähle lose von meiner Việt Nam Reise im Jahre 2024. Mehr Beiträge von dieser Reise findest du hier: Vietnam 2024
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Kamera + Objektiv: Minolta Dynax 7000i + Minolta AF 50 mm f/1.7 Film: CatLABS X FILM 320 (SW), Kodak Portra 400 (Farbe) Development + scan: fotobrell
Bald ist es zwei Monate her, dass ich mein Fotoprojekt 365 fürs Jahr 2025 abgeschlossen habe.
Ich hatte anfangs des Jahres sehr viel zu erzählen und war euphorisch auf das Projekt rückzublicken. Mit den Wochen verschwanden sowohl die Ideen als auch die Euphorie … Bevor also der letzte Funken an Euphorie verschwindet, wird es Zeit, dass ich mich mit diesem Projekt gedanklich befasse und es abschließe. Begleitend dazu: jeweils mein Liebling pro Monat (durch anklicken vergrößern).
Fazit mehr oder weniger aus dem Bauch heraus
Ich bin richtig, richtig stolz auf mich, dass ich dieses Projekt durchgezogen habe. Ich habe nicht die 100 % vollgemacht, aber das ist völlig okay. Ich habe an sehr vielen Tagen ein Foto gemacht und das zählt mindestens genauso viel. (Falls es wen interessiert: Ich habe an 4 Tagen kein Foto gemacht, witzigerweise ist es so gefallen, dass es eins pro Quartal war :D.)
Irgendwann kam der Punkt, an dem ich wusste: Jetzt werde ich das Projekt durchziehen. Im Sinne: Point of no return. Ich kann nicht genau sagen, wann das war, aber es müsste so im letzten Viertel des Jahres gewesen sein. Da wusste ich, dass ich das Projekt „schaffen“ werde und bis zum 31.12. durchziehen werde. Das war ein Gefühl von Selbstsicherheit, das ich nicht erwartet habe.
Es war ein Auf und Ab der Motivation mit diesem Projekt. Und diese hing durchaus mit Wetter und Equipment zusammen. Wintermonate sind nicht meine Fotomonate. Für diese Tatsache habe ich den Jahresanfang ziemlich genossen. Das führe ich wiederum auf die Kamera zurück: Ich habe meine DSLR mit meinem 50er-Objektiv benutzt. Die hat mir einiges an kreativen Spielraum und damit auch den Spaß gegeben. Analog war auch immer *mwah*, auch hier punktet vor allem die Kombi SLR + 50er-Objektiv. Andere Kameras waren okay, aber kein Vergleich zur genannten Kamera. Wettertechnisch sind die helleren und/oder wärmeren Monate. Meine Fotosaison wäre demnach so Ende Februar/Anfang März bis Ende Oktober hinein. Immerhin 8 Monate!
Gerade die letzten sechs Wochen des Jahres war viel K[r]ampf. Ich war sehr uninspiriert, immer häufiger kam mir der Satz „Ich muss noch mein Tagesfoto machen 😫“ über die Lippen. Da war die Luft raus. Einige Fotos erinnern dennoch an gute Fotomomente.
Ich bin weiterhin davon überzeugt, dass es einen guten Zeitpunkt im Leben gibt für so ein Projekt und es nicht nur der Wille ist, um so ein Projekt durchzuziehen. Bei mir war dieser Zeitpunk wohl unter anderem das Jahr 2025. Es hat gut reingepasst bzw. ich konnte es gut in den Alltag einbinden. Es gibt viele denkbare Lebensumstände, die so ein Projekt aus meinen Augen nicht begünstigen und dann würde ich es auch nicht machen.
Mehr durch Zufall habe ich andere Menschen kennengelernt, die 2025 ebenfalls ein 365-Projekt gemacht haben und es war schön, sich zu begleiten. Auch wenn jede:r durch die eigenen Struggles und Erfolgsmomente geht, so konnte ich doch das ein oder andere Mal relaten. Danke, Jürgenand Sabine!
Anfang 2026 habe ich das Projekt noch vermisst, weil es so normal für mich wurde täglich ein Foto zu machen. Aber mittlerweile bin ich wieder vollkommen im fotofreien Alltag angekommen. So schnell geht das also mit dem An-/Abgewöhnen :D. Und ich fühle mich schon befreit. Auch wenn ich jetzt wiederum die „Angst“ habe, dass ich meinen Fotografie-Flow verliere. Aber dieses „Risiko“ gehe ich ein und behandle das Fotografieren wie viele andere meiner Hobbys: Wenn es mich danach zieht, mach ich es. Wenn nicht, dann ruht es erst mal. Und bisher kam es auch immer wieder und ich sollte diese Pause genießen.
Fazit also: Es war ein Projekt, das ich an mehr Tagen mochte als nicht mochte 😀
Januar
Februar
März
Was habe ich gelernt …
… hinsichtlich des Fotografierens selbst?
Die Kamera immer dabei haben, macht einen Unterschied. Egal, wenn ich denke „Was soll da schon spannendes passieren?!“. Ohne Ausnahme die Kamera immer dabei haben. Ich sehe anders, wenn meine Kamera dabei ist. Also: Schlüssel und Kamera mitnehmen!
Es ist an den meisten Tagen ein ziemlich alltägliches Leben ohne „Tiefe“ oder besonderer Ästhetik. Aber dafür ist es ein fotografisches Tagebuch. Also ruhig niedrige Erwartungshaltung haben.
Und manchmal kommen die besten Fotos raus, wenn ich das gar nicht erwartet habe. Wenn ich einfach einen Moment festhalte und dann wird das Foto hinterher BÄM. Was. Für. Ein. Gefühl! Hatte ich immerhin ein paar (wenige) Male und das hat gereicht, um dieses positive Gefühl mit dem Projekt zu verbinden. Deshalb: Auch wenn ich uninspiriert bin, dieses eine Foto selbstsicher(er) machen.
… hinsichtlich des Projektes?
Die Projekt-Regeln und Rahmenbedingungen so gestalten, dass sie *wirklich* das Projekt unterstützen. Ggf. muss man zwischendrin nachjustieren, was man sich anfangs vorgenommen hat. Das war bei mir nicht der Fall, weil meine Regeln/Spielrahmen tatsächlich gepasst haben, aber das ist irgendwo auch Glück, wenn man das noch nie gemacht hat und sich unbewusst/aus Versehen zu viel vorgenommen hat. Zu meinen Regeln schreibe ich unten mehr.
Dadurch, dass ich die Kamera immer dabei hatte, kam ich mit Freund:innen und Bekannten ins Gespräch, die sonst mit Fotografie nichts zu tun haben und das war auch immer wieder schön. So wurde ich auf einen Fotospot hingewiesen.
Ich sollte ja ohnehin jeden Tag ein Foto machen. Einmal in der Woche ein Foto mit vorgegebenem Thema zu machen, hat durchaus geholfen und inspiriert (manchmal mich aber auch ratlos zurückgelassen :D). Bei mir war es das Projekt 52 von Sari, das mich begleitet hat. Ein begleitendes Wochenprojekt war völlig okay. Aber sich auch nicht übernehmen – ich hatte ganz am Anfang sogar drei Wochenprojekte mitlaufen, das hat sich aber sehr schnell von selbst erledigt *lach*
Mein Tagesfoto wird vorzugsweise mit der ausgewählten Equipment-Kombi gemacht.
Kann man machen, hat aber keine Priorität. Zwischendrin habe ich diese Regel aufgeweicht. Ich fand die Regel dennoch hilfreich, weil ich auf diese Weise mich und meine Kameras kennengelernt habe und weiß, wann ich welche Kamera nutzen will. Und das nun evidenzbasiert, weil ich auch die anderen Kameras mehr genutzt habe. Für weitere Runden würde ich, um den Spaßfaktor zu erhöhen, mich auf mein Lieblingsequipment eingrenzen.
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Ich mache so viele Fotos wie ich am jeweiligen Tag will . Die Auswahl des Tagesfotos mache ich, wenn ich Zeit habe. Erfahrungsgemäß habe ich 7-10 Tage lang Fotos auf meiner Kamera (digital) gesammelt bis ich sie auf meinen Laptop gezogen und die Auswahl gemacht habe. Bei den analogen Fotos wird das sicherlich anders aussehen.
Behalten. Eine andere Variante ist sehr, sehr bewusst dieses eine Foto macht und dann war’s das. Darum ging es mir aber nicht. Vor allem weiß ich ja nicht vorher, was mir am Tag begegnen wird. Also lieber mehr machen und im Nachhinein sich für das Tagesfoto entscheiden.
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Bei der Motivwahl gilt: Was ich interessant finde. Wie Falk sagte: Und wenn es eben die Teetasse ist. Ich habe per se keine Beschränkung.
Behalten. Für die erste Runde auf jeden Fall. Und für jede andere Runde, wo man sich nicht sicher ist, dass man genug Kraft und Zeit hat, sich ggf. länger mit der Motivsuche zu beschäftigen (weil man sich ein Thema gesetzt hat). Sogar mit dieser offenen Motivwahl hatte ich oft doch einen gewissen Anspruch an mich selbst, sodass ich trotzdem noch etwas gesucht habe.
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Bei den Farben gilt: Bei den digitalen Fotos nehme ich sie farblich so, wie sie aus meiner Kamera kommen. Bei den analogen Fotos nehme ich sie farblich so, wie ich sie vom Labor bekomme. Sonst nehme ich keine Farbbearbeitung vor. Das liegt am Aufwand und an der Faulheit.
Behalten. Mehr Zeit hätte ich nicht investieren können ins Projekt. Oder auch wollen. Farbbearbeitung macht Spaß, aber bei 365 Fotos – puh. Dass ich kaum Erfahrung mit Foto-/Farbbearbeitung könnte ein Grund dafür oder dagegen sein. Dafür, wenn ich mir das Ziel gelegt hätte, mich damit zu beschäftigen. Ist aber wieder eine zusätzliche Herausforderung.
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Juli
August
September
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Begradigungen und Verkleinerungen (für den Blog) führe ich durch.
Behalten. War im Bereich des Akzeptablen was Fotobearbeitung anging, siehe Regel davor.
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Das Posten des Tagesfotos (auf Instagram, auf dem Blog) mache ich, wenn es zeitlich passt. Es kommt also immer wieder in Schüben was dazu.
Behalten und für mich ganz wichtig! Und hierbei beziehe ich mich an dieser Stelle nur auf das Hochladen in die Galerie. So bleibt der Fokus auf dem Fotografieren, und es kommt nicht die zusätzliche Komponente des täglichen Hochladens dazu (was auch bedeutet hätte: täglich die Fotos auf den Laptop zu schieben, zu sortieren, auszusuchen und umbenennen, Größe verkleinern und hochladen – ist schon ein gewisser administrativer Aufwand). Und nicht mal ich schaute täglich in meine Galerie rein, daher glaube ich nicht, dass jemand anderes es täte. Wäre ohnehin spätestens bei den analogen Fotos schwierig geworden.
The Wochenliebling war eine Idee, die erst nach dem initialen Beitrag aufkam. Der erste Wochenliebling-Beitrag kam entsprechend mit Verzug von mehreren Wochen online. Und diesen Verzug würde ich beibehalten für eine weitere Runde. Sonst hätte ich zeitlich echt Probleme bekommen. In der letzten Woche des Jahres, für meinen letzten Wochenliebling, war ich sehr froh, dass ich nur einmal den Wochenliebling in der gleichen Woche posten „musste“ und das ganze Jahr hindurch einen gewissen Verzug hatte. Das hat mir viel Zeit und Lockerheit geschenkt.
Das Verhältnis zum Wochenliebling ist etwas zwiegespalten: Dadurch, dass sie (meistens) mindestens wöchentlich kamen, haben sie Zeit in Anspruch genommen, um zusammengestellt zu werden. Aber es war auch schön, mich in kleinen Paketen mit meinen Fotos zu beschäftigen und die Qual der Wahl zu haben bei der Wahl des Wochenlieblings. Außerdem war es toll, meinen Fotos so die Bühne geben und von mehr Menschen gesehen werden zu können! Es überwiegt letztlich das gute Gefühl bei den Wochenlieblingen und würde ich daher insgesamt beibehalten. Aber auf jeden Fall mit dem zeitlichen Verzug. Ich weiß, dass dieser Verzug mich immer wieder etwas genervt hat, weil ich immer in der Vergangenheit lebte und so ein Mitmachen bei offiziellen Projekten wie dem oben genannten Projekt 52 nicht möglich war. Aber die geschenkte Zeit macht vieles wett.
Das Posten auf Instagram als Story war mal was anderes. Es war eine weitere Arbeit, aber ich mochte sehr die Rückmeldungen aus dem Freund:innenkreis, die die Fotoergebnisse mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mitbekommen hätten. Da habe ich mich immer sehr gefreut! Der Arbeitsfluss war da aber auch sehr stressfrei: Ich habe immer wieder im Bulk die Fotos in Canvas am Laptop vorbereitet und dann am Handy in Instagram gepostet, wann es mir wieder einfiel. Daher wahrscheinlich auch behalten.
Manchmal kommentiere ich recht zeitnah zum Zeitpunkt der Veröffentlichung eines Blogposts von Anderen. Und manchmal lasse ich mehrere Wochen ins Land gehen bis ich es tue. Bis dahin sind die Posts bei mir im Feedreader abgespeichert. Dann tauchten Fragen über Fragen auf:
Interessiert mein Kommentar nach all der Zeit noch irgendjemanden?
Interessiert mein Kommentar noch den:die Blogger:in?
Gibt es ein „zu spät“ beim Kommentieren?
Lohnt sich das Abspeichern und damit das vage Versprechen, später darauf zurückzukommen?
Zuletzt dachte ich: Nein, es gibt eigentlich kein „zu spät“; und Ja, es lohnt sich. Vielleicht ist es sogar ganz cool, dass nach der ersten Kommentarwelle (die meist innerhalb der nächsten Stunden und Tage nach Erscheinen ist) doch noch jemand diesen Text gelesen und kommentiert und so die „Halbwertszeit“ des Blogbeitrags verlängert. Dass er sogar nach ein paar Wochen und Monaten noch Gedanken anstößt und zu einem Kommentar verleitet (ich gehe immer von konstruktiven Kommentaren aus).
Meistens lese ich Blogs am Handy. Aber ich schreibe wirklich sehr, sehr ungerne am Handy Kommentare. Das fühlt sich einfach beengt an. Ich brauche eine physische Tastatur und einen halbwegs ordentlichen Bildschirm. Aber sogar wenn ich beides habe, lasse ich mir manchmal Zeit mit dem Kommentieren. Weil der Kommentar neben diesen zwei physischen Mitteln auch noch Zeit und Ruhe braucht. Damit ich meine Gedanken sortieren und zu einem Kommentar basteln kann. Und so kommt es, dass mehrere Wochen, Monate, vergehen bis ich mich endlich zum Kommentarschreiben bewege.
Ich denke mir auch: Kommentare sind ja eine schöne Sache und man freut sich doch meist über sie. Sei es jetzt 24 Stunden nach Veröffentlichung oder 2442 Stunden.Und so schenke ich im besten Fall einer Person eben mit ein paar sehr viele Stunden später ein kleines bisschen Freude. Oder mache ich mir hier was vor?
Zusammenfassend finde ich es nicht doof oder schlimm, erst nach einigen Wochen oder Monaten bei Anderen zu kommentieren. Ich bin davon überzeugt, dass der:die Blogger:in sich auch dann noch über eine Reaktion freut. Manchmal bin ich auch davon überzeugt, dass es eine kleine freudige Überraschung ist, dass ich so viel später noch kommentiere.
Außer mir sagt jetzt jemand, dass ich das bitte bei ihr:ihm unterlassen soll – so melde sich dieser jemand bei mir und ich weiß für die Zukunft: Jetzt oder nie.