Vom Rad zum Repair Café

April/Mai 2025. Am Telefon mit einer Freundin jammerte ich rum, dass ich die Gangschaltung mit den 7 Gängen an meinem Fahrrad nicht mehr nutzen konnte. Nach meiner laienhaften Analyse habe ich zumindest gesehen, dass irgendwas an dem Seilzug nicht mehr passte. Für mich sah es so aus, als ob der Seilzug selbst spröde wurde, gerissen ist und dadurch so zerfleddert aussah. In meiner Nähe gab es keine Fahrradwerkstatt (die noch mein Fahrrad annehmen würde) und so akzeptierte ich den Status Quo und fuhr eben nur mit den anderen 3 Gängen.

Das kaputte Teil war sogar Teil des Projekt 365/2025 (No. 122)

Die Freundin dagegen wollte das nicht akzeptieren und ermutigte mich, das selbst in die Hand zu nehmen. Es sei nicht so schwer. Das glaubte ich ihr nicht und war überzeugt davon, dass ich das nicht schaffen würde. Da sie einige Wochen später mich besuchen würde, beschlossen wir, dass wir das gemeinsam reparieren würden. Das war also abgemacht und meine Aufgabe war es bis zum Besuch die Materialien zu besorgen. Mit ein paar Notizen vom Rad und etwas Recherchearbeit fand ich alles, was ich brauchte.

Der Tag der Reparatur

Nach dem Frühstück an einem sonnigen Sonntag machten wir uns an die Arbeit. Holten mein Fahrrad und los ging es. Mit ein wenig Hilfe von YouTube und dem vagem Wissen meiner Freundin machten wir das kaputte Teil ab (tatsächlich war nicht das Seil kaputt, sondern der Mantel, der genauso wichtig ist für die Funktionalität). Beim Anlegen der neuen Materialien und Einstellen hatten wir ein wenig Probleme und mussten hin- und herprobieren. Irgendwann klatschten wir ein: Wir hatten es geschafft und mein Rad hatte auch wieder die 7 Gänge zur Verfügung!

So handwerkliches Arbeiten hat so eine super heilsame Wirkung. Selbstwirksamkeit, da ist sie wieder. ICH bzw. WIR haben mit unseren eigenen Händen geschafft das Fahrrad wieder zu reparieren! Es war nicht ganz einfach, aber jetzt hatten wir wieder was gelernt. Nicht nur technisch, sondern auch, dass wir das schaffen können mit Neugier, Geduld und Dranbleiben.

Ich war schon sehr überwältigt von diesem Gefühl und dachte: Mehr davon! Aber wie käme ich dazu?

Mehr davon! Repair Café – du bist dran!

Da fiel es mir wieder ein: Es gibt Repair Cafés und gerade Fahrradreparaturen sind recht geläufige Reparaturen, die in solchen Repair Cafés angeboten werden.

So schaute ich mich in der Gegend um und entschied mich für eines, das ich gut erreichen konnte (Repair Café Mainz). Ich besuchte das erste Mal dieses Repair Café mit dem ausdrücklichen Interesse, mich dort zu engagieren. Mir wurden die Räumlichkeiten gezeigt und irgendwann kam ich zur Leitung des Repair Cafés. Wir redeten ein bisschen und seitdem bin ich am Start: einmal im Monat (das ist der reguläre Zyklus dieses Repair Cafés) stoße ich dazu, sofern ich nicht verhindert bin. Ich freue mich immer drauf: Auf die Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren und auf die gesamte Atmosphäre, die sehr positiv und motiviert ist.

Dazu muss ich sagen: Ich kann nicht so viel. Ich kann händische Textilreparaturen (stopfen, vernähen etc.), aber das ist gar nicht so gefragt. Aber das ist gar nicht schlimm. Mal sitze ich am Empfang. Oder die Frau im Textilbereich hilft mir, wenn ich mich an der Nähmaschine ausprobieren will und gibt mir Tipps. Oder ich setze mich zu einer der anderen Bereiche, zuletzt zur Fahrradwerkstatt, und schaue zu und lausche, wenn die erfahreneren Reparateure laut denken oder ich frage nach, was sie machen. So ist das Repair Café auch gedacht: Als Hilfe zur Selbsthilfe.

Und so helfen wir uns auch gegenseitig – ich habe schon mein Fahrrad mitgebracht (meine Reparatur hat nicht lange gehalten, weil mir noch ein Schritt gefehlt hat, aber es war schnell zu fixen), Andere bringen Rucksäcke mit offenen Nähten zu mir und der Frau im Textilbereich. Das ist schon was feines.

Weitere Infos

Falls du dich fragst, ob es in deiner Nähe ein Repair Café gibt, sei es, weil du selbst etwas zum Reparieren bringen willst oder weil du auch Bock hast mitzuhelfen, gebe ich dir mal diese beiden Links mit, auf denen du dich umschauen kannst:

https://www.reparatur-initiativen.de

https://www.repaircafe.org/de/

Halte sonst auch Augen in deiner Stadt/Ortschaft offen: Oft bieten auch Nachbarschaftstreffs Repair Cafés an. In dem Sinne: Fröhliches Reparieren!

Gesundheit von Gegenständen

Kapitel 1: Spülmaschine

Angefangen hat es mit unserer Spülmaschine, die eine Macke hatte. Die Tassen, die in der oberen Etage standen, waren sauber – bis auf etwas, das aussah wie eingetrocknete Gemüsebrühe. Diese eingetrocknete Gemüsebrühe hing mal drinnen, mal draußen. Wir hatten keine Ahnung, was die Ursache dafür war. Befüllten wir unsere Spülmaschine zu voll? War das Mittel nicht mehr geeignet? Wir versuchten dies und das und nach einer Internetrecherche war die Antwort ganz simpel: diese Drüsen, die sich drehen, sollten wir mal säubern. Oft verirrt sich dort Essensrest hinein, sei es ein Maiskorn oder ein Reiskorn, und verstopft diese Drüsen. Und das führte wohl dazu, dass diese eingetrocknete Gemüsebrühe-artige Ablagerungen entstanden. Ich verlängerte spontan meine Mittagspause (ja ja, habe während des Mittagessens im Home Office meine Recherche durchgeführt), nahm diese Drüsen raus und tatsächlich waren einige der Drüsen verstopft. Der nächste Spülgang zeigte, dass die Säuberung wirkte und die Tassen waren wieder sauber.

Einer Freundin erzählte ich von diesem Wunder, das ich vollbracht hatte. Statt verblüfft zu sein von dieser Erkenntnis, war sie geschockt, dass ich noch nie die Spülmaschine gesäubert hatte. In ihrem Haushalt machen sie das recht regelmäßig, alle paar Wochen wird die Spülmaschine gesäubert.

Mir kam der Gedanke: „Auskennen sollte man sich mit seinen Anschaffungen….“ 🤨

Kapitel 2: Funktionskleidung

Im Herbst letzten Jahres machte ich mich auf die Suche nach einer neuen Regenjacke und einem Paar Wanderschuhen. Ich war in einem großen Outdoorladen und arbeitete mich durch die Abteilungen: Erst mal eine Regenjacke finden. Während der Verkäufer mich gut beriet und mir verschiedene Jacken zeigte, lernte ich vor allem die Unterschiede der Jacken. Weshalb eine Jacke eben um so-und-so-viel Euro teurer war als die andere Jacke: Naht, Beschichtung, sonstige Gimmicks. Unter all den Erklärungen fand sich irgendwo auch eine Erklärung, wie so eine Funktionsjacke/Regenjacke zu pflegen ist. Ich habe mir geschworen, es aufzuschreiben. Denn ich will natürlich möglichst lange was von meiner Regenjacke als solches haben: sie soll ganz lange Regenwasser von mir fernhalten und den Regen schön abperlen lassen. Ich habe also wissbegierig zugehört. Es kam wie es kommen musste: Ich habe es mir nicht aufgeschrieben.

Ähnlich ging es mir mit den Wanderschuhen. Auch da habe ich Pflegetipps bekommen, damit die Schuhe lang ihrer Funktion nachgehen kann, das Material nicht porös wird und wasserdicht bleibt. Vor Ort habe ich das Pflegeprodukt noch gekauft. Aber wann ich das mal wieder anwenden soll… ich weiß es nicht. Ich habe es mir ebenfalls nicht notiert.

Kapitel 3: Bereitschaft

Aus all diesen Begegnungen kamen mir:

Kann ich denn die Dinge, die ich mir zu eigen mache, pflegen?

Weiß ich, wie ich diese lange am Leben erhalte?

Bin ich bereit, entweder Zeit oder Geld oder beides zu investieren, um mein Eigentum instand zu halten?

Ich wünschte, ich würde mir diese Fragen häufiger (immer?!) stellen, wenn ich mir etwas anschaffe. Sei es groß oder klein. Bei einigen Sachen ist es für mich naheliegender, mir diese Frage zu stellen. Kleidung etwa. Da achte ich tatsächlich beim Kauf auf das Material. Wenn ich ein Kleidungsstück aus einem delikaten Material kaufe, etwa Wolle, Leinen oder Tencel, bin ich mir bewusst, dass ich entweder lange warten muss bis sich die Maschine füllt (weil ich gar nicht so viele Kleidungsstücke dieses Materials habe) oder alternativ bin ich bereit, eine Handwäsche durchzuführen.

Aber darüber hinaus stelle ich mir selten die Frage nach der Pflege und ob ich diese leisten kann (will). Viele Anschaffungen mache ich ohne über die notwendige Pflege nachzudenken. Nicht unbedingt, weil ich denke, dass eine Neuanschaffung günstig ist und diese schnell durch einen Neukauf zu ersetzen ist. Sondern einfach aus der (dringenden) Notwendigkeit heraus oder dem innigen Kaufwunsch, gepaart mit Ungeduld und Naivität, dass ich mich schon drum kümmern werde. Und dann kickt die Realität.

Vieles haben wir gelernt und machen wir bereits im Alltag: Wir halten unsere Küche sauber, spülen das Geschirr ab, halten die Wohnung/das Haus sauber, waschen unsere Kleidung. Aber viele Sachen wurden bei mir in diesem Pflegezyklus nicht mitgedacht. Ich denke, unter anderem ist die Frage, was ich gelernt und mitbekommen habe von meinem eigenen Zuhause als ich aufwuchs. Kleidung waschen (dunkel/hell) habe ich im Elternhaus gelernt; eine Spülmaschine hatte ich erst im Erwachsenenalter, in der ersten eigenen Wohnung mit Partner. Da war sie halt, die Spülmaschine und wir haben uns beide nie gefragt, was wir machen müssten, um sie am Funktionieren zu halten.

Kapitel 4: Gesundheit

Das ist das, was ich selbst mitnehme: Mich mit meinem Eigentum auseinanderzusetzen und zu lernen, wie ich es pflege, damit ich noch lange was von ihnen habe. Wenigstens darüber nachdenken und/oder probieren die Pflege zu geben, die es braucht, um dessen Lebenszeit zu verlängern. Mir ist bewusst, dass in jeden Gegenstand, sei er günstig oder teuer in der Anschaffung, Ressourcen in Form von Material, als auch in Form von Zeit und Energie hineingeflossen sind.

Das wird mir auf lange Sicht bestimmt Geld sparen, aber vor allem ist es ein schönes Gefühl, Dinge am Leben erhalten zu können. Bevor sie kaputt gehen und repariert werden. Wie heißt es so schön… Vorsorge ist besser als Nachsorge? Das gilt nicht nur für unsere Gesundheit, es gilt auch für die Gesundheit unseres Eigentums. Und lieber „spät“ als nie – also jetzt mich mit dem beschäftigen, was sich bereits in meinem Haushalt befindet und nachhaken, ob ich weiß, wie ich X oder Y intakt halten kann. Es ist ein großes Unterfangen – aber diese Fürsorge bin ich den Dingen meines Lebens irgendwie auch schuldig.

Ich kann also endlich mal herausfinden und anschließend notieren, wie ich meine Regenjacke, meine Wanderschuhe und meine Waschmaschine pflegen sollte.

Und, was gibt es bei dir so, das ein bisschen Pflege verdient hätte?

Matratzenstich zum Nachtisch

Der Besuch bei meinen Eltern neigte sich dem Ende zu. Meine Sachen waren gepackt für den Heimweg, nur das gemeinsame Mittagessen stand noch aus. Ich saß auf der Couch, als mir Kleidungsstücke entgegen flogen. Der Eigentümer dieser Stücke:

„Meine Hosen haben Löcher. Kannst du sie reparieren?“

Ein genervter Blick zum Fragenden. Gleichzeitig war ich auch gespannt auf die Reparaturanfragen und schaute mir die zwei Hosen an. Für die eine Hose reichte die Zeit nicht: Sie war im Schritt neben den Nähten aufgerissen und so richtig offen. Da hätte ich lieber mit der Nähmaschine gearbeitet und einen Flicken darunter zur Stabilisierung gelegt. Aber die andere Hose, eine Stoffhose, sah sehr machbar aus: Eine Naht war aufgegangen und könnte mit der Hand geschlossen werden.

Stoffhose vor Reparatur
Stoffhose vor Reparatur

Ich verlangte den Nähzubehörkoffer. Prompt wurde dieser mir gebracht. Nadel und Faden rausgesucht.

Dann aber erst mal Mittagessen.

Zum Nachtisch nahm ich die Hose in die Hand. Noch eine Stunde bis zur Abfahrt. Aber ich wusste ganz genau was ich machen würde: Mit dem Matratzenstich das „Loch“ schließen. (Loch in Anführungszeichen, da es an sich kein Loch war, weil Stoff fehlte, sondern wo eben nur die Naht aufgegangen war).
Keine Viertelstunde später war ich fertig und es blieb noch ausreichend Zeit, um mich zu verabschieden. Wie schnell Genervtheit zu Freude werden kann.

Stoffhose nach Reparatur

Der Matratzenstich – Wann nutzen und wie geht er?

Den Matratzenstich lernte ich auf Instagram kennen und er heißt nicht ohne Grund auch Zauberstich. Ein weiterer Name ist Leiterstich – auch das ist nachvollziehbar. Warum man ihn Matratzenstich nennt, ergibt sich mir jetzt wiederum nicht mehr. Was soll’s – abgespeichert ist abgespeichert (in meinem Kopf).

Wenn man zwei Stoffteile verbinden muss, aber nur die rechte (die sichtbare) Seite zur Verfügung hat, dann ist das der Stich der Wahl. In meinem Beispiel bedeutet das, dass ich die ganze Zeit die Hose nur von außen gesehen habe und ich musste die Hose nicht wenden, um von der Innenseite zu arbeiten.

Anderes Beispiel: Oft wird er genutzt, um bei Nähstücken die sogenannte Wendeöffnung zu schließen. Wenn man ein Nähstück wie etwa ein Kuscheltier auf links näht, lässt man ein Loch übrig. Durch dieses wird das gesamte Stück von links auf rechts gedreht. Dann kann man das Nähstück mit Füllmateriel füllen und mit dem Matratzenstich schließt man schlussendlich die Öffnung. Die Naht kann man so gut wie nicht von der Maschinennaht unterscheiden (#InvisibleMending).

Da sharing is caring gilt, habe ich dir ein paar Videos mitgebracht:

Mein Stichwort war „Matratzenstich“ und es gibt etliche YouTube-Videos. Sollte dir mein vorgeschlagenes Video nicht gefallen, guck dich doch einfach ein bisschen um.

Auch wenn ich Video-Tutorials vorziehe, hier auch ein Blogartikel für diejenigen, die lieber lesen wollen (mit paar Fachbegriffen): Matratzenstich nähen: So gelingt die perfekte Zaubernaht [sewsimple]

Vielleicht gibt es für dich ja auch mal den Matratzenstich zum Nachtisch? 🍮