Internetfunde (1)

Wer kennt’s nicht: was richtig gutes im Internet gefunden – so gut, man möchte es sofort in die Welt schreien und teilen, ganz im Sinne von sharing is caring!

Dieses Mal mache ich es wirklich! Ich habe was gutes gelesen und dachte, das gehört geteilt! Nicht, dass ich eine krasse Multiplikatorin wäre 😆 Aber das ist auch gar nicht die Voraussetzung. Die einzige Voraussetzung ist mein wahrhaftiger Wunsch, dass mehr Menschen das auch sehen sollten was ich gesehen habe!

Ich dachte, dass ich dann noch bisschen sammle und hatte es auf zwei Wochen angesetzt. Es kam aber nicht wirklich viel mehr dazu. Auch okay.

Impulsgeber dieses Posts war:

Blogparade #6: Antifaschistische Politik in die Schule? vom Blog halbtagsblog.

Gelesen hatte ich den Artikel vor der Europawahl, aber gefühlt umso bedeutender ist der Artikel nach der Europawahl. Oft habe ich mich gefragt, was Schule heutzutage leisten kann/soll/muss. Das, was Jan-Martin Klinge hier beschreibt, ist ein großer und bedeutender Teil davon. Es ist die Haltung und das Verständnis, welche Funktion Schule als Bildungsinstitution haben kann (oder sollte) und auch das Verbalisieren dieser, die mich kopfnickend und zustimmend zurückließ.

Überhaupt ist der Blog halbtagsblog einer, den ich gerne lese. Vor allem für die Einblicke in Bildung und wie Jan-Martin Klinge sie versteht und lebt, bin ich sehr dankbar. Tolle Impulse und nicht selten ein Funken Hoffnung erweckend für Menschen wie mich, die nicht (mehr) in der Bildung tätig sind.

Zum Schluss noch weitere Links zu zwei weiteren Posts, die mir in Erinnerung geblieben sind:


Das Konzept dieses Formates, sollte es sich als solches etablieren, ist nicht notwendigerweise eine Blogvorstellung. Dieses Mal hat es sich so ergeben.

Der Weg ist das Ziel – Annäherung an einen Kalenderspruch

Der Weg ist das Ziel“ – Wer kennt dieses Sprichwort nicht? Aber hatte ich ihn verstanden? Bis vor kurzem: nicht wirklich.

Der Fisch

Alles begann damit, dass eine Freundin und ich uns zum gemeinsamen Zeichnen verabredet hatten. Ich wollte einen Fisch abzeichnen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich seit Jahren keinen Bleistift zum Zeichnen mehr in die Hand genommen – entsprechend sah es aus. Ich war frustriert, sie merkte das und gemeinsam dröselten wir die Situation auf. Unsere Schlussfolgerung: Was den Fisch anging, so handelte ich zielorientiert. Das Ziel war das Ziel. Das bedeutete in diesem Zusammenhang, dass ich so schnell wie möglich den Fisch abzeichnen wollte. Ohne Umwege, ohne Fehler. Mein Kopf wollte zum perfekten Fisch. Und zwar dalli dalli! Und auch wenn ich wusste, dass das unrealistisch ist, so konnte ich das nicht abschalten. Meine Freundin legte mir ans Herz, mehr prozessorientiert zu sein und den Weg zu genießen, ganz im Sinne des Titel-gebenden Kalenderspruchs.

Seitdem habe ich mich oft gefragt:

Wenn ich das Eine bin (zielorientiert), aber das Andere will (prozessorientiert): Wie komme ich dahin?

Was ist was?

Nach einiger oberflächlicher Recherche, Nachfragen und Überlegungen habe ich mir folgende Notizen gemacht:

Zielorientiert

Das Ziel will ich so schnell wie möglich erreichen. Am besten jetzt. Auch wenn es unrealistisch ist, dass man das Ziel auf direktem Wege erreicht, so geht man trotzdem von diesem Idealweg aus. Kein links, kein rechts. Nur geradeaus. Das Ziel sieht man im Tunnelblick.

Prozessorientiert

Der Weg/der Prozess ist mindestens genauso wichtig wie das Ziel selbst (ich weiß, immer noch sehr vage).

Im Vergleich zum Tunnelblick bekommt der Weg Farbe und Form, weil ich den Weg beobachte. Wie ich den Weg beobachte?

  • Leben im Hier und Jetzt, den Moment erleben und Zufriedenheit fühlen – Stichwort Achtsamkeit
  • Die täglichen Anstrengungen genießen (statt verärgert/frustriert sein)
  • Überraschungen (positive und negative), Herausforderungen und Rückschläge sind zu 100 % Teil des Wegs. Und daher zu erwarten. Daraus resultieren Learnings für den weiteren Weg. Dem Ganzen steht man neutral bis positiv gegenüber.
  • Zeit spielt eine untergeordnete Rolle, entsprechend ist Geduld mitunter erforderlich

Nochmal der Fisch, jetzt aber prozessorientiert

Heute weiß ich, nachdem einige Jahre ins Land gegangen sind und ich genug Zeit hatte, um mich bewusst und unbewusst damit zu beschäftigen, dass das „Der Weg ist das Ziel“-Mindset für den Fisch abzeichnen folgendes bedeutet hätte: Mein Radiergummi wäre neben meinem Bleistift einer meiner besten Freunde. Ich hätte gezeichnet und wieder radiert, weil die Proportionen nicht passen und neu angesetzt. Ich hätte gewusst, dass ich diesen Strich so nicht nochmal setze, weil er eben zu kurz gewesen wäre. Und das hätte ich akzeptiert. Oder alternativ hätte ich keinen Radiergummi benutzt, den kurzen Strich mit einem Schulterzucken akzeptiert und weitergemacht.

Diese Bullet Points wirken auf den ersten Blick etwas leer. Aber wenn ich mich in die Worte hinein begebe, dann weiß ich, was gemeint ist. Vor allem fühle ich es. Es ist ein Mindset (sorry für das Buzzword), eine Einstellung, die man annimmt. Mich nicht oder weniger ärgern, weil ich weiß, dass Fehler und vermeintliche Umwege dazugehören. Und im Gesamten entspannt zu sein und zu bemerken, dass da gerade was passiert.

Irgendwann kommt sicherlich der Punkt, an dem ich gefrustet wäre, weil ich wirklich viele Rückschläge gehabt hätte. Oder anders formuliert: Genug gelernt für den Moment. Dann hätte ich aufgehört und eine Pause gemacht. Ist ja auch anstrengend. Beim nächsten Mal mache ich da weiter wo ich aufgehört habe. Oder ich hätte urplötzlich Lust den Stift zu spitzen und anders anzulegen – und gemerkt: Das gefällt mir! Nochmal, nochmal!

Das, was ich hier beschrieben habe, kennen wir alle. Es nennt sich lernen. Lernen ist zwar zielgerichtet, aber der Weg zum Ziel ist das Spannende. Er ist nicht immer einfach und schon gar nicht geradlinig – und deshalb ist man umso stolzer auf sich, wenn man den Weg gegangen ist und zurückblickt.

Damit ist dieser Kalenderspruch endlich keine leere Hülle mehr für mich und ich kann in ein erfüllteres Leben starten ✨ Das meine ich sogar so – auch wenn ich das Sprichwort die ganze Zeit etwas abfällig als Kalenderspruch abgetan habe.

Passenderweise habe ich dieses Lied zu der Zeit gehört als ich diesen Text anfing wo unser Kalenderspruch auch vorkommt: 🎵 Tigermilch – Schritt für Schritt


Internetquellen die mir auf dem Weg geholfen haben (kein Anspruch auf Wissenschaftlichkeit)

Bilder wurden erstmalig gepostet hier: Nordsee | Sunny 16 #2 (Set 4/6)

Die gemusterte Bluse und das Fast-Chamäleon | lernlogbuch stopfen

Bei kaputter Kleidung ist es ja so: Das Loch mag noch so klein sein, es mag noch so sehr versteckt sein und es würde eh nie jemand auf diese Stelle drauf schauen – aber wenn ich es einmal gesehen habe, ist es das Einzige was ich von diesem Kleidungsstück noch sehe. Würde ich es auswärts tragen, würde niemand den Makel entdecken. Aber das wäre mir reichlich egal. Ich sehe nur noch das Loch.

So erging es also der gemusterten Bluse.

Auf der rechten Seite, an der Naht wo das Vorder- und das Hinterteil miteinander verbunden sind, recht weit unten und nahe des Saumes, hatte sich ein Riss eingeschlichen. Das im schlechten Winkel wie ein Loch aussah. Entsprechend lag die gemusterte Bluse auf dem Reparaturstapel. In Vorbereitung auf die Reise letzten Herbst bin ich Kleidung durchgegangen – sogar die, die auf dem Reparaturstapel lag. Und tatsächlich habe ich mir ganze drei Teile für die Reise aus ebendiesem Stapel ausgesucht. Es waren bestimmt nur noch paar wenige Wochen bis zum Abreisetag. Und die Kleidungsstücke lagen sicherlich schon seit zwei Jahren auf dem Stapel und im Sinne des Prinzips „Aus den Augen, aus dem Sinn“ war deren Existenz zwischendurch ganz vergessen. Wie groß war also die Wahrscheinlichkeit, dass diese drei Teile es zurück ins Leben schaffen würden?

Die Vorbereitung

Ich wollte das Muster mehr oder weniger nachbilden, also unsichtbar stopfen. Entsprechend mit weißem Garn erst mal die Fläche wiederherstellen, dann mit rotem Garn irgendwie das Muster nachmachen. Ohne wäre der dann reine weiße Blobb mir zu auffällig gewesen inmitten des ganzen Musters.

Die Umsetzung

Für die weiße Fläche habe ich die Webstopfmethode genutzt. An einer Naht zu arbeiten ist nicht so angenehm wie auf einer reinen Fläche, v.a. weil sich das Loch/Riss zu beiden Seiten erstreckte. Der Weißton meines Garns ist zu warm, aber sei‘s drum. Mit rotem Garn habe ich dann gestickt, und habe mich an den Formen auf der Bluse orientiert, so Mini-Blätter. Ich habe wenig Stickerfahrung und habe das entsprechend eher Freestyle gemacht.

Die Fotostempel verraten mir eine Dauer von ca. 1.5 Stunden, an einem Tag.

Der Abschluss

Es ist keine ganz unsichtbare Reparatur, aber trotzdem finde ich sie gelungen und der Stickteil war was Neues für mich. Ich habe nicht super sauber gearbeitet, aber am Ende ist das Loch weg und damit wurde die Bluse wieder tragbar für mich. Die Bluse durfte mit auf die Reise. Mission completed! 

Gedanken drumherum

Was ich immer wieder erstaunlich finde: Die Arbeitszeit und die Wartezeit stehen sich in einem krassen Gegensatz gegenüber. Es ist fast lächerlich.

Die Kleidung lag seit mindestens zwei Jahren auf dem Reparaturstapel. Mit 1.5 Stunden ist diese Reparatur etwa eine Spielfilmlänge lang. Hätte ich diese Zeit irgendwann früher mal investiert – und es ist ja eine absehbare Zeit – dann wäre die Bluse mit einem annehmbaren Energieaufwand schon viel eher wieder ein Teil meines Kleiderschranks geworden.

Sicherlich, in ebendieser Zeit habe ich einiges gelernt und bin selbstsicherer geworden was die Methoden angeht. Aber oft geht es erst mal darum, den Makel irgendwie mal angefasst zu haben und um den Versuch es zu reparieren. Das ist das, was ich von dieser und anderen Reparaturen mitnehme: einfach mal dransetzen und machen!

(Spoiler: Ich schaffte es, alle drei Teile für die Reise wieder fit zu machen!)