Erzählenswerte Kleinigkeiten: Bodenträger, IMAX und Bogenhanf Blüte

Bodenträger

Ich finde Baumärkte faszinierend. Das habe ich schon mal auf dem Blog angemerkt. Die Möglichkeiten, die einem der Baumarkt bietet! Ich liebe es ja auch, Leuten dabei zuzusehen, wie sie DIY-Projekte umsetzen. Aber ich schweife ab.

Bei einer unserer Kommoden konnte ich ein Regalbrett nicht einlegen, weil mir diese Pins fehlten. Diese Pins, die man in die Löcher an den Seitenwänden reinsteckt und dann ein Regalbrett drauf legen kann. Das Internet verriet mir, dass sie Bodenträger heißen. Nach einem Umzug suchen wir früher oder später einen Baumarkt auf und ich nutzte die Gelegenheit. Ich lief in den Gang, wo es alle möglichen Kleinteile einzeln zu kaufen gibt und packte mir vier dieser Bodenträger ein. Zuhause die Dinger eingesteckt und das Regalbrett eingelegt. Fertig ist der Lack, Glücksgefühl inklusive (für ganze 24 Cent 😁).

Sommergefühl Melone

Melonen – egal welche Sorte – rufen schlagartig nicht mehr so laut nach mir, wenn der Sommer sich verabschiedet hat. Wir hatten noch eine halbe Honigmelone im Kühlschrank als die Temperaturen fielen. Ich war dankbar um die gesunkenen Temperaturen, aber die Melone sprach mich einfach nicht mehr an. Dabei schmeckte sie natürlich immer noch gut. Die kleinen Anzeichen der Jahreszeitenwechsel.

„Die Odyssee“ und das erste Mal IMAX

Circa drei Wochen nach meiner Ankündigung „Die Odyssee“ im IMAX sehen zu wollen, tat ich es auch. Wir haben das Glück (so kann man das nennen – siehe unten), ein IMAX mit 1.43:1 Format in ca. 30 Minuten Autofahrtzeit zu haben. Die Erfahrung in diesem Kino war schon sehr interessant. Dieses ungewöhnliche Leinwandformat ist anfangs vor allem ungewohnt. Gerade am Anfang, wo es Nahaufnahmen von den Gesichtern der Figuren gab, habe ich mich schon gefragt, welche Teile der Gesichter in anderen Formaten noch übrig waren.

Aber schnell rückte das Format in den Hintergrund und ich kam selbst im Film an (na gott sei dank). Einer meiner Befürchtung war die Spielzeit von drei Stunden. Aber die vergingen wie im Fluge und hinterher ging ich auf jeden Fall geflasht aus dem Kino heraus – es war ein sehr gutes Kinoerlebnis. Auf dem Rückweg landete ich erst mal in einem Rabbit Hole, als ich mich in den Untiefen der Figuren einlas. An der Stelle sei erwähnt, dass ich bis zum Film wirklich null Kenntnis über den Inhalt hatte. Ich habe es geschafft bisher nie nur ein Fitzelchen der erzählten Geschichte mitzukriegen. Auch bemerkenswert. Tat aber der Geschite keinen Abbruch und ich bin gut mitgekommen. Ich habe mit diesem Film also tatsächlich auch gewissermaßen eine Wissenslücke geschlossen.

So gehyped wie ich war, weil ich ein IMAX besuchen konnte, so nachdenklich hat mich auch die Aussage von Miss Booleana gemacht, dass die Entscheidung auf IMAX zu drehen Menschen ausschließt, die IMAX-Erfahrung zu machen, die eben mal nicht ein IMAX um die Ecke haben.
Aber von den Rezensionen von Filmliebhaber:innen meines Vertrauens weiß ich, dass der Film nichtsdestotrotz sehr gut bewertet wurde.

Bogenhanf Blüte Bäm

Als Sukkulente ist der Bogenhanf eine Pflanze, die mit mir kompatibel ist. Zumindest hat es bisher ganz gut geklappt mit uns beiden. Was ich nicht wusste, ist dass der Bogenhanf auch blühen kann. Nach dem Umzug sprossen mehrere Blütenstiele in die Höhe. Wie ich lernte sind Bogenhanfblüten recht selten und duften extrem stark. Immerhin ist es ein Duft und kein Gestank. Bis die Blütenstiele endlich blühten und ihren Duft verströmten, dauerte es paar Tage. Als es dann so weit war, waren wir teilweise schon leicht überfordert mit dem Duft: Der Bogenhanf steht direkt hinterm Sofa, d.h. wenn wir auf dem Sofa saßen und Fernseher schauten, kickte der Duft schon krass. Außerdem waren es mehrere Blütenstiele, ergo verstärkte sich der Duft. Bis hin zu leichter Penetranz. Trotzdem feierte ich dieses Ereignis.

Ich würde ja gerne meinen grünen Daumen als Hauptauslöser dieses Ereignisses loben. Aber wahrscheinlich bin es nicht ich, sondern der Andere im Haus, der sein Aquarienwasser nach dem Wasserwechsel zum Gießen diverser Pflanzen nutzt. Dünger deluxe.

Ruhe, Vietnam 2024

Ruhe ist nicht die erste Assoziation, die ich mit Việt Nam habe. Vielleicht niemals haben werde. Im besten Sinne, natürlich.

Die Straßen in den Städten sind laut mit den knatternden Rollern und Motorrädern. Einer der eindringlichsten Dinge, die ich mit Việt Nam-Reisen verbinde, ist die Ankunft in Deutschland nach der Reise. Diese Stille, die mich in Deutschland jedes Mal empfangen hat, fand ich immer etwas beunruhigend und ich musste mich immer wieder dran gewöhnen, dass der vietnamesische white noise (und die Schwüle) weg war.

Dennoch fand ich auf der letzten Reise Momente der Ruhe. In der Früh, bevor die Straßen sich füllten. Wenn die Frühstückszeit vorbei ist und die gespülten Schüsseln sich beim Trocknen ausruhten. Zur Mittagszeit, wenn alle wohlgenährt ein Mittagsschläfchen einlegten (klein und groß). Oder auf dem Land, wo das Leben eine andere Geschwindigkeit hat und abends eben nicht mehr der Bär steppt. Und man dem Obst beim Wachsen zuschauen kann (das sind übrigens Jackfrüchte!).

Mit meiner vietnamesichen Interpretation von Ruhe schließe ich diese Fotoserie ab.

(Durch draufklicken Fotos in Einzelansicht anzeigen)


Ich erzähle lose von meiner Việt Nam Reise im Jahre 2024. Mehr Beiträge von dieser Reise findest du hier: Vietnam 2024

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Kamera + Objektiv: Minolta Dynax 7000i + Minolta AF 50 mm f/1.7
Film: CatLABS X FILM 320 (SW), Kodak Portra 400 (Farbe)
Filmentwicklung + Scan: fotobrell

Gespieltes Leben

Oft denke ich an meine Tage in Mini-München. Mini-München ist eine Spielstadt/Planspiel für Kinder, von der offiziellen Webseite heißt es:

In der Spielstadt Mini-München können Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 15 Jahren arbeiten, studieren, Geld verdienen, konsumieren, bauen, Freunde treffen, Politik machen und vieles mehr.

Alle zwei Jahre fand (und findet) diese Veranstaltung in München für ein paar Wochen in den Sommerferien statt. Als ich daran teilnahm, war das noch auf dem Olympiaparkgelände; wie ich von der Webseite lernte, findet sie mittlerweile in Fröttmaning statt, im Norden von München.

Als Jugendliche bin ich gerne zu Mini-München hingegangen: Ich habe irgendwo „gearbeitet“, worauf ich so Lust hatte, habe dann Geld erwirtschaftet (MiMü) und konnte mir damit was kaufen. Wofür ich das Geld ausgegeben habe, weiß ich heute nicht mehr.

Warum ich oft daran denke? Weil ich heute erwachsen und in der echten Welt angekommen bin. Wo ich echtes Geld verdiene, an schlechten Tagen meinen Job hinterfrage, den Einkauf erledigen muss und die Einkommenssteuererklärung einmal im Jahr erledige. Vor allem denke ich also an Mini-München, wenn ich das Erwachsenenleben … welches Wort beschreibt es am besten … anstrengend finde. Dann denke ich an Mini-München zurück und dass das gespielte Erwachsenenleben Spaß gemacht hat. Und finde das irgendwie verrückt, dass ich eben dieses Erwachsenenleben heute führe.

Natürlich liegen dazwischen Welten. Mini-München ist ein tolles Konzept, ich feiere es jetzt noch wie ich deren Webseite querlese. Als Kind/Jugendliche:r bekommt man erstmalig ein Gefühl vom Konzept einer Kommune/Stadt und erfährt von der Abhängigkeit von Lebensbereichen einer Stadt und dementsprechend des Lebens. Wobei ich wahrscheinlich die Lebensbereiche Politik und Verwaltung und ähnliches kaum/nicht wahrgenommen habe.

Viele Jahre später lebe ich das so ganz real und muss Verantwortung tragen. In allererster Linie wohl für mich und meinem Familien- und Freundeskreis, in zweiter Linie aber auch für die Gesellschaft. Meine Entscheidungen haben Konsequenzen auf die Gesellschaft. Was ich konsumiere beeinflusst die Wirtschaft. Was ich wähle beeinflusst unser Leben. Für wen ich arbeite, zeigt zu einem gewissen Punkt meine Werte und beeinflusst, wen ich wirtschaftlich unterstütze.

Ein bisschen wehmütig denke ich an die Tage zurück, an denen das Erwachsenenleben so simpel erschien. Ich möchte mich nicht über mein Leben beschweren, es ist ein gutes Leben. Aber es ist eben ein Erwachsenenleben. Mit Aufgaben und Verantwortung. Und es ist schon etwas skurril, darüber nachzudenken, dass ich gewissermaßen mal in einer Simulation gelebt habe und jetzt in der Vorlage dieser Simulation bin und ich mich manchmal frage, wie ich hierhergekommen und ob ich freiwillig hier bin. Das sind so Momente, wo ich mich von meinem Leben kurz distanziere und das alles von außen betrachte.

Ähnlich wäre es jetzt wohl, Sims 2 zu spielen. Ich habe als Jugendliche so gerne Sims 2 gespielt, stuuuundenlang. Aber ich könnte das jetzt wahrscheinlich nicht mehr – nicht nur, weil mir die Zeit fehlen würde, sondern weil ich mir die ganze Zeit denken würde: Wieso spielst du ein Leben, wenn du es jetzt doch lebst? Vielleicht, weil ich dort andere, alternative Leben führen könnte? Oder um meiner Realität zu entfliehen? Aber bei all diesen Spielen, wo Züge des Lebens simuliert werden, komme ich irgendwann an diesen Punkt, wo ich auf der Metaebene lande und mich frage, warum ich nicht einfach in der Realität bin statt zu spielen. In echt zu kochen und zu putzen statt zu spielen.

Das gespielte Leben ist einfacher, weniger anstrengend und trotzdem von Erfolg gekrönt. Es macht einfach Spaß. Früher: Wenn man keine Lust mehr hatte, dann hat man das Spiel ausgemacht und war wieder im Leben als Kind/Jugendliche:r. Aber dieser Wechsel funktioniert heute nicht mehr so gut. Und wenn die Metaebene einmal da ist, dann hängt eben dieser Gedanke im Kopf: Okay, joa, was mache ich hier eigentlich?!

Summa summarum ist es skurril bis amüsant darüber nachzudenken, dass ich sowohl als Kind/Jugendliche, aber auch als Erwachsene meine Zeit damit verbrachte, ein Leben zu führen, das ich jetzt wirklich führen kann. Dass aus dem Spiel Wirklichkeit geworden ist oder werden kann. Dass das eigentlich endlich die Chance ist. Aber an vielen Tagen vor allem eine Herausforderung ist. Aber was wollen wir tun außer das Beste daraus zu machen, nicht wahr?

PS: Das Foto von den Tankpreisen ist vom Oktober letztes Jahr… ich sag ja, dieses Erwachsenenleben.