Koriander

Rau mùi (Aussprache via Google Translate: hier klicken), so nenne ich dieses Kraut im Vietnamesischen, im Deutschen ist es der Koriander. Rau für Gemüse, mùi für Geruch; zusammen ergibt das in etwa Gemüse mit Geruch. Wenn eine Pflanze so heißt, dann hat man schon die Erwartung, dass sie besonders stark riechen muss. Den Namen muss man sich ja erst verdienen, könnte man meinen. Ich finde aber, dass es andere Gemüse bzw. Kräuter gibt, die noch viiieeel intensiver riechen. Aber Sprachen haben so ihren eigenen Weg und so nehme ich es hin.

Wie auch immer. Ich habe es meiner Mama nachgemacht und dieses Jahr selbst Koriander ausgesät. Ob ich in ein paar Wochen meiner Mama stolz berichten kann, dass mein Koriander angewachsen ist, wird sich noch zeigen. Drück mir die Daumen, dass ich einen grünen Daumen habe!


Elterngarten, 2022.

Kamera + Objektiv: Minolta 9000 AF + Minolta AF 100mm Macro f/2.8
Film: KODAK 100T-MAX
Filmentwicklung + Scan: Charlie Engel Lab 2.0

Der Weg ist das Ziel – Annäherung an einen Kalenderspruch

Der Weg ist das Ziel“ – Wer kennt dieses Sprichwort nicht? Aber hatte ich ihn verstanden? Bis vor kurzem: nicht wirklich.

Der Fisch

Alles begann damit, dass eine Freundin und ich uns zum gemeinsamen Zeichnen verabredet hatten. Ich wollte einen Fisch abzeichnen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich seit Jahren keinen Bleistift zum Zeichnen mehr in die Hand genommen – entsprechend sah es aus. Ich war frustriert, sie merkte das und gemeinsam dröselten wir die Situation auf. Unsere Schlussfolgerung: Was den Fisch anging, so handelte ich zielorientiert. Das Ziel war das Ziel. Das bedeutete in diesem Zusammenhang, dass ich so schnell wie möglich den Fisch abzeichnen wollte. Ohne Umwege, ohne Fehler. Mein Kopf wollte zum perfekten Fisch. Und zwar dalli dalli! Und auch wenn ich wusste, dass das unrealistisch ist, so konnte ich das nicht abschalten. Meine Freundin legte mir ans Herz, mehr prozessorientiert zu sein und den Weg zu genießen, ganz im Sinne des Titel-gebenden Kalenderspruchs.

Seitdem habe ich mich oft gefragt:

Wenn ich das Eine bin (zielorientiert), aber das Andere will (prozessorientiert): Wie komme ich dahin?

Was ist was?

Nach einiger oberflächlicher Recherche, Nachfragen und Überlegungen habe ich mir folgende Notizen gemacht:

Zielorientiert

Das Ziel will ich so schnell wie möglich erreichen. Am besten jetzt. Auch wenn es unrealistisch ist, dass man das Ziel auf direktem Wege erreicht, so geht man trotzdem von diesem Idealweg aus. Kein links, kein rechts. Nur geradeaus. Das Ziel sieht man im Tunnelblick.

Prozessorientiert

Der Weg/der Prozess ist mindestens genauso wichtig wie das Ziel selbst (ich weiß, immer noch sehr vage).

Im Vergleich zum Tunnelblick bekommt der Weg Farbe und Form, weil ich den Weg beobachte. Wie ich den Weg beobachte?

  • Leben im Hier und Jetzt, den Moment erleben und Zufriedenheit fühlen – Stichwort Achtsamkeit
  • Die täglichen Anstrengungen genießen (statt verärgert/frustriert sein)
  • Überraschungen (positive und negative), Herausforderungen und Rückschläge sind zu 100 % Teil des Wegs. Und daher zu erwarten. Daraus resultieren Learnings für den weiteren Weg. Dem Ganzen steht man neutral bis positiv gegenüber.
  • Zeit spielt eine untergeordnete Rolle, entsprechend ist Geduld mitunter erforderlich

Nochmal der Fisch, jetzt aber prozessorientiert

Heute weiß ich, nachdem einige Jahre ins Land gegangen sind und ich genug Zeit hatte, um mich bewusst und unbewusst damit zu beschäftigen, dass das „Der Weg ist das Ziel“-Mindset für den Fisch abzeichnen folgendes bedeutet hätte: Mein Radiergummi wäre neben meinem Bleistift einer meiner besten Freunde. Ich hätte gezeichnet und wieder radiert, weil die Proportionen nicht passen und neu angesetzt. Ich hätte gewusst, dass ich diesen Strich so nicht nochmal setze, weil er eben zu kurz gewesen wäre. Und das hätte ich akzeptiert. Oder alternativ hätte ich keinen Radiergummi benutzt, den kurzen Strich mit einem Schulterzucken akzeptiert und weitergemacht.

Diese Bullet Points wirken auf den ersten Blick etwas leer. Aber wenn ich mich in die Worte hinein begebe, dann weiß ich, was gemeint ist. Vor allem fühle ich es. Es ist ein Mindset (sorry für das Buzzword), eine Einstellung, die man annimmt. Mich nicht oder weniger ärgern, weil ich weiß, dass Fehler und vermeintliche Umwege dazugehören. Und im Gesamten entspannt zu sein und zu bemerken, dass da gerade was passiert.

Irgendwann kommt sicherlich der Punkt, an dem ich gefrustet wäre, weil ich wirklich viele Rückschläge gehabt hätte. Oder anders formuliert: Genug gelernt für den Moment. Dann hätte ich aufgehört und eine Pause gemacht. Ist ja auch anstrengend. Beim nächsten Mal mache ich da weiter wo ich aufgehört habe. Oder ich hätte urplötzlich Lust den Stift zu spitzen und anders anzulegen – und gemerkt: Das gefällt mir! Nochmal, nochmal!

Das, was ich hier beschrieben habe, kennen wir alle. Es nennt sich lernen. Lernen ist zwar zielgerichtet, aber der Weg zum Ziel ist das Spannende. Er ist nicht immer einfach und schon gar nicht geradlinig – und deshalb ist man umso stolzer auf sich, wenn man den Weg gegangen ist und zurückblickt.

Damit ist dieser Kalenderspruch endlich keine leere Hülle mehr für mich und ich kann in ein erfüllteres Leben starten ✨ Das meine ich sogar so – auch wenn ich das Sprichwort die ganze Zeit etwas abfällig als Kalenderspruch abgetan habe.

Passenderweise habe ich dieses Lied zu der Zeit gehört als ich diesen Text anfing wo unser Kalenderspruch auch vorkommt: 🎵 Tigermilch – Schritt für Schritt


Internetquellen die mir auf dem Weg geholfen haben (kein Anspruch auf Wissenschaftlichkeit)

Bilder wurden erstmalig gepostet hier: Nordsee | Sunny 16 #2 (Set 4/6)

Der Frühling schält

Wie der Frühling kommt, schäle ich mich langsam, aber sicher. Mich amüsiert diese Beobachtung. Die Winterjacke bleibt hängen, stattdessen greife ich zur Übergangsjacke nebendran. Den Strickschal nehme ich sicherheitshalber noch mit, sicher ist sicher was den Hals angeht. Die Schuhauswahl wechselt – gleicher Schuhstil, aber das Paar ohne Fütterung. Die Anzahl an Kleidungsschichten nimmt ab, endlich keine vier Schichten obenrum mehr, um die Mitte warm zu halten. Die Strumpfhose, die sonst den unteren Körperteil vorm Frieren geschützt hat, darf auch weg. Der Zwiebellook ist wunderbar, trotzdem ist es sehr angenehm, nicht mehr so viele Schichten an- und ausziehen zu müssen.

Schön, dich zu haben, Frühling – auch wenn du zwischendurch den April, April-der-macht-was-er-will hast walten lassen und der Winter doch nochmal im wahrsten Sinne des Wortes reingeschneit ist.